13. KAP.
Leipziger Bürgergärten
257
ketts umsäumten. Nur im Lustpark hatte sich bei diesem Fürsten, der gerne ganz aufder Höhe seiner Zeit stand, der neue Stil wenigstens mit „auf englische Art geschlän-gelten Alleen" eingeschlichen 46 , während sonst gerade Osterreich sich lange gegen seinEindringen gewehrt hat. — Wenn Wien und seine österreichischen Umlande auch spätzu der ungestörten Ruhe kamen, die eine wirkliche Tradition der Gartenkunst ver-langt , so war man doch hier durch eine vom übrigen Deutschland etwas abgesonderteStellung zu einem Stil gekommen, der vielleicht mehr Bodenständigkeit zeigt, alsirgendeine andere lokale Entwicklung im Deutschland des XVIII. Jahrhunderts.
Weit stärker den wechselnden Einflüssen unterworfen sind die Gärten Mitteldeutsch-lands, besonders des Königreichs Sachsen 47 . Hier entfaltet sich von früh an ein reichesBild. Schon in der Renaissance hatten hier nicht nur Fürsten und ein wohlhäbiger Adel
Abb. 499BosescherGarten, Leipzig
Stich von Schatz
schöne und gepflegte Gärten unterhalten, sondern auch die Städte sich rege daran be-teiligt. Nun aber hatte das reiche Leipzig, dank seiner Lage als Zentralpunkt des Handels,seiner Bürgerschaft so viel Selbstbewußtsein gegeben, daß sie in diesem Jahrhundertdes Übergewichtes von Hof und Adel es wagte, ihr Leben auf gleichen Fuß mit diesenHerren zu stellen. Die Leipziger Bürgergärten sind die einzigen, die noch im XVIII. Jahr-hundert internationalen Ruf erlangten 48 . Zwei Brüder Böse legten sich zu Ende desXVII. Jahrhunderts Gärten an von allbewunderter Schönheit. Der des älteren, CasparBöse (Abb. 499), lag am Grimmaischen Tor, er erregte bis nach Italien Aufmerksamkeit,man erzählt, daß der Papst sich nach seinen Einrichtungen erkundigen ließ. Das Inter-essanteste ist die Anlage des vertieften Orangerieparterres, das in einen sehr großenHalbkreis radiale Beete eingeordnet hatte, in deren Mitte die Orangenbäume aufge-stellt wurden. Das Terrain, das in der Mittelachse zur Villa eine schöne Orangerie ab-schließt, steigt amphitheatralisch an, Brunnen in den Mauern und Statuen belebenden Garten. Auf der Höhe sind Baum- und Blumengärten, Grotten und Spring-brunnen angebracht. Deutlich sehen wir hier trotz aller Pracht des Einzelschmuckesdie Renaissanceentwicklung des Bürgergartens festgehalten, vor allem in der un-
17 Gothein, Gartenkunst II