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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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13. KAP.

Schönbrunn

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Abb. 494Schönbrunn,Wien,Gloriette,Blick vomhinteren Weiher

Nach R. Dohme

der herrlichen Aussicht auf der Höhe profitieren wollte, und daß der Park hinter demSchlosse auf dem sanft abfallenden Gelände nach Hetzendorf zu angelegt werden sollte.Es war ein Architektentraum, wie ihn auch die reichen Mittel des Wiener Hofes nichtverwirklichen konnten. So bequemte sich Fischer zu einem zweiten Entwurf, dessenGedanke, das Schloß an den Fuß des Hügels zu bauen und den Garten dahinterbis zur Höhe anzulegen, sich schließlich durchgesetzt hat. Die mangelnde Aussichtdes Hauptschlosses sollte durch ein kleines Lustschloß auf der Höhe des Hügel-rückens ersetzt werden. In dem sehr großen Parterre, das der Stich dieses Ent-wurfes von Kraus zeigt 42 (Abb. 493), macht Fischer größere Konzessionen an denfranzösischen Geschmack. Es ist vollkommen von einem breiten Kanal umflossen,zwei kleine Pavillons betonen die Ecken, nach hinten ist der Kanal halbrund aus-gebogen; zwischen ihm und dem Hügel, der als ein großes Theaterhalbrund ab-gestützt wird, liegt ein freier Platz; ein Brunnen und eine Mittelallee leiten zumKasino empor. Der Garten ist schematisch und weicht von der letzten Ausführung,die aber erst Maria Theresia angehört, bedeutend ab. Am meisten scheint manbei der Anlage des Hügels hin- und hergeschwankt zu haben. Fest stand nur dieBekrönung mit einem Lusthause. Ein Stich, der aber wohl keiner Wirklichkeitentsprochen hat 43 , bringt die sehr glückliche Lösung durch eine breite Kaskade, diein ein Bassin herabschäumt. Ein anderer Entwurf, nach dem unter Maria Theresiagebaut wurde, hat den Hügel in verschiedene Terrassen mit Treppen und Grotten zer-legt, während halbrunde Kolonnaden das Lusthaus selbst begleiten. Erst im Jahre 1775,als der Garten zu seiner heutigen Gestalt vollendet wurde, erbaute der Architekt Hohen-burg die graziöse Gloriette (Abb. 494), einen Zierbau mit Mittelsaal und offener Säulen-halle zu jeder Seite. Sie krönt mit ihrer feinen Silhouette heute leider eine leere, nurvon häßlichen Zickzackwegen durchschnittene hängende Wiese, die in dem Garten-bilde vom Schloß aus eine empfindliche Lücke läßt. Von dem großen Parterre, dasdie ganze Fläche vom Schloß zum Hügelhang einnimmt, gibt eine Vedute Canalettoseine gute Anschauung (Abb. 495). Auf die Kanäle hatte man verzichtet, trotzdem ein