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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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Nymphenburg

13. KAP.

liegend) ... In dem Parterre stehen 28 vergoldete Statuen, Gruppen, Vasen und Urnen,an den buchenen Spalieren 17 Statuen von weißem Marmor. Nach den Drachenfontänenfolgen zwei Kinderfontänen, jedes Kind auf vergoldetem Walfisch sitzend . . . Endlichkommt in der Mitte die große Florafontäne, sie ist achteckig, in weißem Marmor gefaßtund hat über 100 Schuh im Umkreise. In der Mitte ist ein großer Korb mit Blumen,woraus ein mannsdicker Strahl 30 Schuh hoch springt. Zur Seite des Korbes erblicktman die Göttin Flora sitzend, 12 Schuh hoch. Neben ihr ein Zephyr . . ., welcher in derHand einen großen Kranz von Blumen hält und mit der andern Hand seine Verwunde-rung anzeigen will wegen eines Affen, den das Wasser aus dem Korbe treibt. Auf demBerge stehen noch folgende Sachen: ein Löwe, ein zottiger Hund, drei große Schwanen,zwei Störche, viel Seeblumenkraut. Dann sind noch im Bassin 8 kleine vergoldete Berge,auf vier davon sitzen Liebesgötter, auf den andern vier Bergen sitzen vier Tritonen,welche Korallen, Perlen und dergleichen in den Händen halten: sie sitzen auf Walfischen.An dem Rande dieses Bassins sind in der Rundung herum acht vergoldete Frösche,welche das Wasser bogenweis speien. Diese prächtige Fontäne hat 60 000 Gulden gekostetund waren 250 Zentner Blei erforderlich. Sodann kommt man wieder zu einem großenBassin, welches sechs 12 Schuh hohe Wassersprünge in einer Reihe hat, in dieses Bassingeht rechts und links der Kanal, welcher von da zur großen Kaskade führt." Wennman das liest, wollen solche Phantasieentwürfe, wie sie Becker in seinemFürstlichenBaumeister" als fürstliche Brunnen gibt, nicht mehr so ganz übertrieben erscheinen. DieFrage drängt sich hier immer wieder aufs neue auf, wohin all der Schmuck gekommenist. Eine besondere Eigentümlichkeit Nymphenburgs sind die vielen kleinen Nebenbauten,die an Zahl die bekannten französischen Anlagen noch übertreffen. Marly-le-Roi ent-lehnt waren die gelösten Wohnpavillons neben dem Schloß, sie sind hier zum erstenmal ineinem Halbzirkel, den Stadtkanal in der Mitte durchlassend, um den großen prächtigenEhrenhof geschlossen. Diese Anordnung wurde in Deutschland besonders beliebt; inNymphenburg begleiten den Kanal zur Seite noch einige weitere Pavillons (Abb. 458).Bedeutsam sind die im Park zerstreuten Schlößchen mit ihren Sondergärten, diein ihrer Mannigfaltigkeit an die Eremitagen in Buen Retiro in Madrid erinnern. Siedanken verschiedenen Bedürfnissen der Kurfürsten ihre Entstehung, gliedern aberden großen Park in schöner Regelmäßigkeit. Eine der Queralleen durch die Boskettshatte man als Mailbahn anlegen lassen, neben ihr wurde das Gartentheater mit seinengrünen Kulissen errichtet. Als Ruhe- und Erfrischungsraum für Spielende und Zuschauererbaute Max Emanuel hier einen Pavillon und ließ ihn , l'indien" ausschmücken,woher er den Namen Pagodenburg erhielt (Abb. 462). Der Kurfürst hatte zwar, alser in Paris wohnte, das alte Trianon de Porcelaine nicht mehr gesehen, doch wares damals noch in aller Munde, und dieser kleine blau- und weißgeschmückte Zentral-bau in Nymphenburg ist eine unmittelbare Nachahmung des alten Trianon. Vor derPagodenburg lag ein großes, mit Springbrunnen geschmücktes Bassin, an dessen ent-gegengesetzter Seite die Bühne auf mehreren Stufen anstieg. Da Zuschauersitze nichtvorgesehen sind, stellte man sie wohl bei Aufführungen um den Teich. Auf der andernSeite des Schlößchens zog sich ein schmaler Kanal in den Park. Auch an einem großenWasserstück lag die Badenburg (Abb. 463), die das Bad mit einer Reihe von Neben-gemächern enthielt und auf der andern Seite ein zierliches Parterre hatte. Zu diesenGartenpavillons aber brauchte man noch eine wirkliche Einsiedelei, die nach spanisch-