Druckschrift 
2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
Seite
178
Einzelbild herunterladen
 

178

Fontainebleau, Meudon, Saint-Cloud

12. KAP.

Jahre 1684, mit seinem verschwiegenen, noch erhaltenen Parterre, hat diesem Teileden Namen gegeben.

Von den älteren Königsschlössern erhielt nun Fontainebleau seine letzte Gestalt(Abb. 430). Le Nötre hat alles Kleinliche, was etwa noch der Garten Heinrich IV. hatte,endgültig verbannt. Das große Parterre zeigt die noch heute erhaltenen einfachenZüge, der Kanal, wenn auch schon von Heinrich IV. begonnen, tritt jetzt erst in seinerBedeutung für den Park hervor. Der Blick auf Parterre und Schloß rückwärts wirdhier wie in Vaux durch Kaskaden und Grottenwerk in der Futtermauer des großenParterres aufgehalten (Abb. 431). Kein zweiter Garten liegt in seiner langen Entwick-lung Stufe für Stufe so klar vor unsern Augen, auch heute ist nur ein verhältnismäßigkleiner Teil, der alte Jardin des pins, im malerischen Stile umgestaltet. In Saint-Germain,wo der schöne Bau Heinrichs IV. kaum noch bewohnt wurde, hat Le Nötre außer einigenParterreerweiterungen hauptsächlich die große Terrasse, die sich vor dem oberenGarten über dem Flusse als schönster Spaziergang hinzieht, geschaffen. Wichtigerals Werk und Wirkung waren die Gärten von Meudon. Dies Schloß war unter Lud-wig XIV. in den Besitz seines stolzen, herrschsüchtigen Ministers Louvois über-gegangen. Er vollendete mit Eifer die Erweiterungsbauten, die schon sein Vorgängerdurch Schaffung eines imponierenden Ehrenhofes vorgenommen hatte, und ließ sichvon Le Nötre die Gärten anlegen. Le Nötre erweiterte zunächst die Terrasse desSchlosses (Abb. 432) zu einem großen Ziergarten mit der schönen Aussicht auf dasSeinetal und Paris zur Seite, während sich der prächtige Prospekt in der Hauptachsedes Schlosses in zwei Terrassen zu der Orangerie herabsenkt, um von hier, durchBassins und Brunnen betont, einen Waldhügel wieder emporzusteigen. Zur Seite des'Schlosses blieb die alte Grottenanlage mit ihrem Parterre. Erst als nach Louvois' Tod1691 das Schloß in den Besitz der Krone überging, ließ Ludwig XIV. an dieser Stelledurch Mansart ein neues Schlößchen erbauen, das zur Residenz des Dauphinsbestimmt wurde. Dies Schlößchen bestand bis 1870, die Parterres davor waren damalslängst in englischen Stil umgemodelt. Nach der Zerstörung ist ein Teil wieder auf-gebaut worden und wird heute als Observatorium benutzt. Das Hauptschloß hatteman, da es in der Revolution sehr beschädigt war, schon 1803/4 31 niedergerissen. VonLe Nötres Werk besteht heute nur die große, als öffentlicher Spaziergang eingerichteteTerrasse mit den zur leidlich erhaltenen Orangerie herabsteigenden Rampentreppenund den Linden des alten schönen Prospektes.

Eine in mancher Beziehung ähnliche Aufgabe erwartete Le Nötre in Saint-Cloud(Abb. 433). Das Schlößchen der Gondi war von Hand zu Hand gegangen. Um das Jahr 1658besaß es wieder ein ehrgeiziger Bankier, Herward, der nach Hofgunst strebte, ein Günst-ling Mazarins, den der schlaue Kardinal aber seinem König opferte, als dieser den Wunschäußerte, das Besitztum für seinen Bruder, den Herzog von Orleans, zu erwerben. Umeinen sehr geringen Preis wußte es Mazarin für seinen Herrn zu kaufen. Der Herzogvon Orleans führte dorthin seine junge, schöne und allgemein vergötterte GemahlinHenriette, der das erste Fest galt, das Fouquet in seinem neuen Schlosse veranstaltethatte. Hier verlebte auch Moliere mit seiner Truppe die erste Zeit, bis er in den Dienstdes Königs überging. Henriettes früher, unerwarteter Tod im Jahre 1671 versetzte ganzFrankreich in die größte Bestürzung, und Bourdaloues Wort, mit dem er seine Leichen-rede begann,Madame se meurt, Madame est morte", erschütterte alle Herzen. Als ihre