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Feste in Marly
12. KAP.
200 plastische Werke, darunter herrliche Meisterwerke, wie die beiden PferdebändigervonCoustou, die heute den Eingang zu den Champs Elysees zieren, einst amAbreuvoirstanden (Abb. 424), oder jene anderen von Coysevox, die sich auch im Tuileriengartenbefinden.
Daß auch Marly nie zur Vollendung, nie zur Ruhe kam, dafür sorgte der König, derbis zu seinem Tode unaufhörlich bald hier, bald dort etwas änderte. Kaum aber hattees seinen ersten Abschluß im Jahre 1684 erlangt, als es zu einem Schauplatz fort-währender glänzender Feste wurde. Im Jahr 1685 wurde die Vermählung des Herzogsvon Bourbon-Conde mit Madame de Nantes mit einem großen Jahrmarkt gefeiert;vier Verkaufsbuden, den vier Jahreszeiten entsprechend, waren aufgeschlagen, zweidavon erhielten die Neuvermählten, die dritte Madame de Montespan, die vierte Ma-dame de Maintenon zugewiesen. Aber Madame de Montespan merkte bei diesem Festewohl endgültig, daß ihre kluge, zielbewußte Nebenbuhlerin den Sieg über sie davon-getragen hatte. Sie selbst hatte einst die Witwe Scarrons zu sich als Erzieherin undPflegerin ihres Sohnes herangezogen; langsam, schrittweise hatte sich Madame deMaintenon dem König zu nähern, unentbehrlich zu machen gewußt. Seinen sieghaftenGlauben an sein Glück hatten die Mißerfolge seiner auswärtigen Politik erschüttert,er war müder geworden, und dieser Stimmung kam die Frau entgegen, deren großespädagogisches Herrschtalent sich in allen Lebenslagen gezeigt hat. Man merkte sie nie,und doch herrschte sie überall, wo sie hinkam. Eines hat sie allerdings niemals beimKönige erreicht, ihn zur Sparsamkeit zu bringen, so sehr sie auch gerade in Marly ver-suchte, die steten Erneuerungen und Verschönerungen einzudämmen. Bis zu des KönigsTode behauptete es seinen Platz, dann allerdings verfiel es während der Regentschaftschnell. Daß es nicht sofort zerstört wurde, wozu der Befehl schon erteilt war, ver-danken wir nur dem energischen Eingreifen Saint-Simons, der dem Regenten dasUnglaubliche dieser Absicht vorstellte. Ludwig XV. hat Marly dann wieder etwas zuEhren gebracht, auch mancherlei Feste sah der schöne Landsitz. Und als an jenemOktobertage Ludwig XVI. aus Versailles von der johlenden Volksmenge nach Parisgeholt wurde, rüstete man sich gerade in Marly, um den Hof zu einem Feste zuempfangen. Dann raste der Sturm der Revolution darüber hin und zerstörte esso vollkommen, daß heute in dem stillen Waldtal nur noch hier und da eine geradeAllee, eine Baumanlage und im letzten verwahrlosten Zustand die Pferdeschwemme,das schöne Abreuvoir, die Stätte zeigt, wo einst dieses anmutige Kunstwerk ge-standen hat.
W T enn man bei Dangeau liest, daß der König einen Palast „schöner denn je" gefundenhabe, so muß man sich auf große Veränderungen gefaßt machen. „Was da ist und nichtmehr verschönt werden kann, zerstört man, um etwas Neues zu machen" 29 . In dieserStimmung befand sich Ludwig dem kleinen Wunderbau des Porzellan-Trianon gegen-über. Marly war im wesentlichen fertig, auch Versailles befand sich auf einer Stufe rela-tiver Vollendung. Dies kleine, blauweiße Teehaus mit seinen Blumenwellen von Wohl-gerüchen, was war es weiter als eines der Bosketts, die der Herrscher schon häufig ganzumgeworfen hatte! Also er berief Mansart, der Architekt genug war, um nie nein zusagen, wenn etwas zerstört und neu aufgebaut werden sollte, und der es verstand, denKönig in immer neue Projekte zu verwickeln. — Noch eins kam dazu, Madame de Main-tenon, jetzt seine angetraute Gattin, sollte doch hinter der verdrängten Maitresse nicht