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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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IÖ2

Le Trianon de Porcelaine

12. KAP.

Abb. 415

Versailles,

Wasserparterre

Gruppe von \Le Hongre

denpoint de vue" nennt. Dann führt er weiter durch die Hauptallee bis zum großenKanal, wo man zurückschauen müsse, um das ganze Schloß über dem Garten als Ge-samtbild zu haben. Nun sollen zuerst die Bosketts linker Hand vom Kanal, dann dieOrangerie, und endlich die auf der rechten Seite angeschaut werden. Ein Leitfaden,wie er noch heute jedem Führer zugrunde gelegt wird.

Des Königs Bau- und Veränderungslust aber fand in Versailles längst nicht mehr seinGenügen. Neben den mächtigen Arbeiten in Versailles ging der Bau einer ganzen Reihevon Schlössern einher. Schon ehe Clagny begonnen war, entstand in wenigen Monatendes Jahres 1670 am nördlichen Ende des Querkanals ein kleiner köstlicher Bau, dasTrianon de Porcelaine. ,,Es wurde", sagt Felibien,zuerst von jedermann als ein Wun-der angestaunt, da es erst am Ende des Winters angefangen war und im Frühjahr da-stand, als ob es samt allen Blumen der Gärten, die es begleiteten, aus der Erde gewachsen

sei" 23 (Abb. 416). Mit demHäuschen wollte LudwigMadame de Montespan eineFreude machen; es war nurein Teehaus, in dem manam Nachmittag, währendder Hitze des Sommers,Erfrischungen einnehmenkonnte. Um diese Zeit hat-ten zuerst die Berichte derfranzösischen Missionäreaus China, die in nicht garzu langer Zeit bei denUmwälzungen des Garten-geschmacks eine wichtigeRolle spielen sollten, dieWelt in Staunen versetzt.

Man begann mit Eifer, Porzellan, Stoffe und Malereien aus China zu sammeln, und derfabelhafte Porzellanturm von Nanking galt als achtes W T under der Welt. Ludwig wolltenun auch etwas dergleichen haben, so mußte dies kleine Trianon-Teehaus ä la chinoiseausgeschmückt werden, und in Ermangelung von Porzellan nahm man Fayencen in hol-ländischer Manier, die aber auch in der neu gegründeten Fayencefabrik in Trianon her-gestellt waren. An der Fassade waren überall Fayenceplatten angebracht, große blaueVasen waren auf den Gesimsen und auf den Rampen aufgestellt, die zum Kanal her-unterführten, weiße Marmorbüsten standen auf Fayencesockeln. Dem entsprach dasInnere, das nur einen großen Mittelsaal mit je einem Appartement auf jeder Seitehatte. Der Saal war ganz in Weiß mit blauem Figurenschmuck gehalten. Der Bodenwar mit Fayenceplatten in gleichen Farben gepflastert. Da jedes der Seitenapparte-ments nur aus einem Zimmer und einem Kabinett bestand, aus dem alkovenartig eine Vo-liere vorsprang, so hatte man zu beiden Seiten des Hauses, einen ovalen Hof flankierend,noch zwei Nebenpavillons in ganz ähnlichem Schmuckeen petit palais" eingerichtet 24(Abb. 417). Wir finden hier zum ersten Male die gelöste Bauweise der Wohnpavillons,die sich als Kavalierhäuser um das Haupthaus gruppieren, eine Anordnung, die in