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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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Die Feste von 1668

12. KAP.

Jahre 1668 sollte Versailles in noch weit feenhafterer Festpracht erstrahlen lassen alsvier Jahre früher. Madame la Valliere ging dem Ende ihrer Macht entgegen, der Königwar eben unter den Einfluß von Madame de Montespan geraten. Beide standen da-mals in ihrer vollen Jugendkraft, der König hatte erfolgreich die monarchische Ideedurchgeführt, die Fronde war längst eingeschlafen, die Frondeurs seine treuen Dienergeworden; er war siegreich auch dem äußeren Feinde gegenüber. Die Frau war schönund voll Laune und Geist, den noch Voltaire bewunderte. Er hat eine Unterhaltung,gemischt mit Scherz, Naivität und Finesse,esprit de Mortemart" genannt AthenaisMortemart war der Mädchenname der gefeierten Freundin des Königs. Madame laValliere, die zarte, bescheidene, zur Traurigkeit geneigte, zögerte noch etwas, die ihrdoch lieb gewordene Macht zu verlassen, und ging dann ins Kloster. Der festesfrohe,nach allen Pikanterien haschende Hof wußte auch aus diesem Ereignis ein Fest zumachen.

Im Jahre 1668 aber wollte der König nur höchste Lust um sich sehen 16 . Der Garten war,wie gesagt, mit seinen großen Linien, in seinem Hauptschmuck, dem großen Schauteile,vom Schlosse aus fertig, die zwölf Bosketts aber, durch die drei Hauptalleen und ebensoviele Querwege gebildet, waren damals noch zum großen Teil einfach baumbestandene,von Wegen durchzogene ,,massifs", wie man sie nannte. Nur eines der Bosketts scheint damals, vielleicht zu dem Feste selbst, zu einem geschmückten Binnengarten umge-wandelt worden zu sein, es wurde Wasserberg genannt, um der felsartigen Fontänewillen, die aus einem runden Becken aufsprang, oder auch Stern, wegen der fünf Wege,die, von Treillage kunstvoll begleitet, auf diese Fontäne zulaufen. Hier nahmen die Herr-schaften ihr Frühstück ein, dazu war dies Boskett herrlich mit Vasen, mit Zypressen-arkaden und Skulpturen geschmückt. Von hier ging man zum Theater, das an einemder Kreuzungspunkte der Queralleen, wo bald darauf das Bassin mit dem Saturnbrunnenangelegt wurde, aus grünem Laub und köstlichen Tapisserien, die den Marmor nach-ahmen sollten, errichtet war. Hier spielte man nach einer Oper, mit Musik von Lulli,George Dandin", von Moliere. Moliere war schon im Jahre 1665 königlicher Hofdichtergeworden; Ludwig hat den um seiner Satire willen anfangs aufs stärkste angefeinde-ten Dichter mit aller Treue bis zu seinem Tode als seinen Schützling und Freund be-handelt, man weiß, wie der größte Teil seiner Lustspiele, oft auf direkten Auftrag, fürdie Feste seines Königs geschrieben wurde. Man kannte in den französischen Gärtendie feststehenden grünen Theater, die später, im XVIII. Jahrhundert, keinem Gartenfehlen durften, noch nicht. Die Schäferspiele und Maskenaufzüge der Renaissance, diemit und durch diese Feste entstanden sind, wurden auch mit Vorliebe auf einemGartenhintergrunde dargestellt. Spanien hatte, wie wir sahen, hierin schon geradezuVerblüffendes geleistet; das Theater in Buen Retiro, dessen Bühne sich in den Parköffnete, war eine eigenartige Verbindung von festem Theater und lebendigem Garten-hintergrund. Blieb man ganz im Garten, so schlug man die Bühne bald hier balddort an geeignetem Platze auf. Da galt es denn für die Maschinisten und Regisseure,mit höchster Schnelligkeit überraschende Effekte und Wunder der Dekoration zu er-zeugen. Für Ludwig XIV. ebenso wie für Philipp IV. stand die Theateraufführungjedesmal im Mittelpunkt ihrer glänzenden Feste. Ein besonderer Lieblingsplatzdes Königs war die Grotte, die er oft als prächtigen Hintergrund für allerlei, sowohlmusikalische wie theatralische, Aufführungen brauchte. Auch die anderen Festlich-