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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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Der große Kanal

12. KAP.

Menschenleibern springen. So war die ursprünglich weit schönere Anlage; erst vielspäter hat man das wimmelnde Ungetier der Göttinmutter ganz nahe gerückt, sieselbst darüber hinaus gehoben, so daß bei springenden Wassern das Ganze wie einWasserberg wirkt. Am Ende der Allee aber, inmitten des riesigen Wasserbeckens,das einst den flüchtigen Zauberpalast Alcinas getragen, erhob sich nun aus denFluten der junge Gott mit seinem feurigen Viergespann, das erst mit halben Leiberndas Wasser überragt (Abb. 402); die blasenden Tritonen zur Seite verkünden dasjunge Licht. Hinter diesem Apollobecken aber grub man voll Eifer an dem großenKanal, einem Werke, bei dem Le Nötre auch nicht einen Augenblick gezweifelt hat,

Abb. 401

Versailles,

Latona-

Brunnen

Phot.

es gleich in seiner gewaltigen Größe und unvergleichlich imposanten Wirkung fest-zulegen, denn man begann mit dem Graben der Kreuzungsstelle und ist allmählichzu den vier Endpunkten weiter vorgedrungen. Dies Werk umfaßte mit einem genialenWurfe zugleich die praktische Notwendigkeit, das sumpfig-feuchte Gebiet des tief-liegenden Parkes zu entwässern, die vielen Einzelkanäle und Wasserflächen in sichaufzunehmen und dem ganzen Gartenbilde eine Geschlossenheit und zugleich Weitezu geben, wie es nur ein mächtiger bewegter Wasserspiegel vermag. Wohl hatte derKanal von Fontainebleau diesen Weg schon gewiesen, und der erste Versuch inVaux war auch glücklich auf Garten und Terrain abgestimmt, doch erst der 1560 mlange, 120 m breite Kanal von Versailles, dessen Querarme sich zu einer Länge von1013 m erstrecken, bringt die höchste Vollendung dieser Idee des französischenKanalgartens, die von nun an nicht mehr übertroffen, nur noch nachgeahmt werdenkonnte (Abb. 403).