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Vaux -le-Vicomte
12. KAP.
wigs monarchistische Gesinnung zu Reife und Entschluß gekommen zu sein. Bald nachdem Tode berief der König sein Kabinett und erklärte ihm, daß er hinfort sein eigenerPremierminister sein wolle. Fouquet jedoch glaubte den Zeichen nicht, nicht den War-nungen seiner Freunde, während Colbert schon mit Sicherheit seinen Sturz vorbereitete.Nichts mehr als der bisher unerhörte Prachtbau des neuen Lustschlosses konnte so sicherfür feindliche Augen das verderbliche System des Generalintendanten aufweisen. Man er-zählt, Colbert hätte heimlich während des Baues das Schloß besucht, dem König vonden zahllosen Arbeitern, den ungeheueren Kosten berichtet. Das glänzende Fest, andem der König nicht anwesend war, hatte zugleich den Zorn und auch die Neugierde desMonarchen erregt, er sagte sich zu einem neuen Feste am 17. August an. Schon aber warder Sturz eine beschlossene Sache, ja, der König hatte sogar vor, seinen Wirt im eigenenHause bei dem Feste verhaften zu lassen, und war nur durch seine Mutter, der er sich ver-traut hatte, davon abgehalten worden. Der König kam, mit feenhafter Pracht wurde erempfangen, die Eingeweihten und Vertrauten sahen, wie er nur schlecht seinen Zorn überden Luxus, mit dem auch entfernt nichts, was er sein nannte, sich messen konnte, undden er für gestohlen ansah, unterdrückte. Bei dem großen Umzug, der das Fest einleitete,sah er überall das Wappen seines Ministers, ein Eichhörnchen mit dem stolzen, aber un-klugen Wahlspruch: „quo non ascendet". Nach dem Prunkmahl wurde im Garten in demTheater, das am Ende einer Fichtenallee errichtet war, Molieres Stück „Les Facheux"gespielt, das in 14 Tagen für das Fest geschrieben war. Die Dekorationen hatte Le Brungemalt, Pelisson, der Sekretär Fouquets und berühmte Prosaschriftsteller, hatte einenProlog dazu geschrieben, den die schönste Schauspielerin ihrer Tage, LaBesart, sprach;ein Ballett, das sich den Gestalten des Lustspiels anpaßte, wurde von Giacomo Torelligeleitet, einem Urbinaten, dessen Geschicklichkeit der Dekoration und Maschinerie ihmden Titel ,,le grand Jongleur" eintrug. Nach dem Theaterstück erregte ein Feuerwerkdas höchste Entzücken. Dabei passierte das Unglück, daß zwei Rosse vor dem Wagender Königin-Mutter scheuten und in dem großen Kanal ertranken. Lafontaine, der mitberedten Worten eine Schilderung dieses Festes an seinen Freund Mancroi schrieb,schließt den Brief mit den Worten: „ich glaubte nicht, daß mein Bericht ein so tragisches,bedauernswertes Ende finden sollte" 5 . Welch eine tiefe dunkle Bedeutung diese Wortefinden sollten, wußte der Dichter nicht; er und das Heer der Bewunderer und Anhängerdieses glänzenden Gestirnes ahnten nicht, daß einen kurzen Monat darauf ihr Mäzen,Freund und Beschützer in engem Gewahrsam, des Hochverrats angeklagt, nur knappdem Todesurteil entging, und daß das Urteil der lebenslänglichen Verbannung von seinemunerbittlich hassenden Monarchen in lebenslängliche Kerkerhaft umgewandelt wurde.Die herrlich aufgeblühte Schönheit von Vaux-le-Vicomte sinkt schnell hin, umbald nichts mehr zu umschließen als Einsamkeit und Vergessenheit. Aber FouquetsName und Wesen hat nie in seinen glänzenden Tagen so schön gestrahlt wie in diesenZeiten des Unglücks. Mochte ihn die mächtige Gegenpartei erdrücken, mochte seineigener Ehrgeiz ihn auf falschem Wege zu einem gefährlichen Diener des Staates ge-macht haben, mochte der neue Kurs der Staatsleitung ihn notwendig herausschleudern,es wurde dem Menschen eine einzig schöne Gloriole gewoben durch die Liebe, die un-ermüdliche Treue und tätige Anhänglichkeit seiner Freunde, der Dichter, Künstlerund Literaten. Fouquet war kein gewöhnlicher Mäzen, er wußte sich dies leicht beweg-liche Völkchen zu treuen Freunden zu machen, in ihm selbst steckte ein Stück Künstler,