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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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Fontainebleau Luxembourg

9. KAP.

Stichen nicht erkennbar. Boyceau hat später für diesen Garten eine ganze Reihe kunst-voller Parterres entworfen, die in den Teilen, die sich am Fuße des Hügels bis zumFlusse ausdehnten, angebracht waren 63 .

Neben Saint-Germain-en-Laye liebte Heinrich ganz besonders Fontainebleau, wo erder eigentliche Schöpfer der Gärten genannt werden muß. Er fand hier freilich Plan undLage schon vorgezeichnet. Das kleine Parterre Franz' I. hat Heinrich zu einem besondersreizvollen Binnengarten erweitert und umgestaltet (Abb. 337). Von drei Seiten umgab eres mit Galerien, die vierte schloß eine große Voliere ab, auch den italienischen nach-geahmt, mit großen Bäumen und grünem Gesträuch innerhalb der Kuppel aus Draht.Die Diana Franz' I. blieb als Schmuck des zentralen Brunnens, um den die Parterrebeetelagen, mit der vorgeschriebenen umlaufenden erhöhten Terrasse. Der schönste Schmuckdieses kleinen anmutigen Gartens war eine Fülle erlesener Statuen, auch dies weit mehrein italienischer Einfluß. Später, als Ludwig XIV. statt der Voliere eine Orangeriebauen ließ, wurden in diesem sonst unberührt gelassenen Garten die Orangen aufge-stellt, wie unser Stich zeigt. Auf der anderen Seite des großen Weihers aber, in dessenMitte Heinrich sich einen Pavillon als einen Ort der Zurückgezogenheit erbaut hatte, legteer das große Parterre (Abb. 338) im wesentlichen, wie es noch heute besteht, an, nur daßdamals ein breiter Kanal das Quadrat durchschnitt und in der Mitte eine Kolossalfigurdes Tiber, auf einem Felsen ruhend, lag. In den vier Ecken des Parterres waren noch jevier andere Fontänen angebracht. Eine Neuerung von allergrößter Bedeutung abermachte Heinrich IV. durch die Anlage des großen Kanals, der von diesem Parterre, dasauf hoher Terrasse darüber liegt, ausgeht und diesen Hauptgarten mit dem eigentlichenPark verbindet 64 . Wir werden sehen, wie gerade an dieses Motiv die Neugestaltung desGartens unter Ludwig XIV. anknüpfte. Ob, wie man will, auch an diesem Garten Fran-cini gearbeitet hat, ist mehr Vermutung als Gewißheit.

Sicher war es ein französischer Architekt, der Schloß und Garten des Luxembourg ent-warf. Der Absicht der Bauherrin Maria Medici nach sollte sich hier ein Stück Italien auffranzösischem Boden erheben, dort, wo sie nach ihres Gatten Tode 1615 ihre'Residenzaufschlagen wollte. Ihr heimatliches Schloß Palazzo Pitti und Giardino Boboli stellte sieihrem Architekten Salomon de Brosse als Vorbild auf (Abb. 339). Im Schlosse selbst konnteder Baumeister, so sehr er sich auch bemüht haben mochte, dem Wunsche der Fürstinnachzukommen, den französischen Genius nicht verleugnen. Trotz der an den Ammanati-hof erinnernden Rustikafassade beherrscht der französische Pavillonbau den Eindruckvollkommen. Im Garten stand ihm das ziemlich ebene Terrain im Wege, um etwas Ähn-liches wie Giardino Boboli zu schaffen. Immerhin zeigt die ursprüngliche Anlage, diemit der heutigen nur noch wenig gemein hat, manche Züge, die Maria an ihren heimat-lichen Garten erinnern konnten. Die Grenzen des ursprünglichen Gartens verliefen andersals heute: während sie sich in der Längsachse nach Süden etwas weiter ausgedehnthaben, auf ein Terrain, das damals ein Kartäuserkloster inne hatte, sind die Bosketts,die sich westlich von der Hauptachse erstreckten, heute fast um die Hälfte beschnitten,und auch im Osten hat der Garten einiges eingebüßt 65 . Um das Parterre (Abb. 340)dem Amphitheater in Boboli ähnlich zu gestalten, wurde es sehr vertieft und von auf-geschütteten Terrassen und zwei Stufen umgeben, deren obere mit Vasen und Statuengeschmückt wurde. Sie verliefen im Gegensatz zu heute auf beiden Seiten gerade, schlös-sen nach hinten halbkreisförmig ab, in der Mitte einen freien Durchweg lassend. Oben