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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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Saint-Germain-en-Laye

9. KAP.

Dieser Fürst, der alle, die ihm nahestanden, mit hoher Bewunderung seiner glän-zenden, vielseitigen Persönlichkeit durchdrang, hat auch in der ersehnten Friedens-zeit, die er seinem Lande gab, der Gartenkunst einen neuen Aufschwung gegeben.Der Blüte unter diesem Könige galt die Bewunderung Oliviers de Serresder ausge-zeichneten Gärten, die sich über das ganze Reich zerstreut finden, besonders aber jener,welche der König bei seinen Schlössern in Fontainebleau, Saint-Germain-en-Laye, denTuilerien, Blois usw. hat anlegen lassen. Man kann nur mit Staunen die Anordnungder Pflanzen sehen, die durch Buchstaben, Devisen, Namenszüge, Wappen, Gemäldesprechen; wie man die Gesten der Menschen und Tiere, wie man Gebäude, Schiffe,Boote und andere Dinge durch Pflanzen und Büsche mit bewunderungswürdigemFleiße und Geduld nachahmt. Man braucht nicht nach Italien oder anderswo hin-zugehen, um die schönsten Gartenanlagen zu sehen; unser Frankreich trägt den Preisdavon, und bei ihm kann man wie in einer Gelehrtenschule sich Belehrung über dieseDinge holen" 60 . In Wirklichkeit aber verhielt es sich damals, gerade unter Hein-rich IV., noch immer umgekehrt; besonders seit Maria Medici die Kunst ihrer Heimatüber die Alpen brachte, können wir in dem Garten einen erneuten Einfluß Italiensmit aller Deutlichkeit erkennen. Heinrichs Hauptbau war das neue Schloß von Saint-Germain-en-Laye. Franz I. hatte auf alten Fundamenten auf dem sehr hohen Uferder Seine ein Stück landeinwärts einen großen Palast erbauen lassen, den Heinrich ILdurch einen anmutigen kleinen Zentralbau mit einer breiten Terrasse dicht am Ufer,von wo man die vielbewunderte Aussicht genoß, erweiterte 61 . Die Gärten bei diesenalten Gebäuden scheinen sehr unbedeutend gewesen zu sein. Du Cerceau erwähnt siegar nicht, und sein Plan zeigt wenig davon. Heinrich IV. ließ nun an der Stelle deskleinen Theaterzentralbaues einen Palast mit schönen Eckpavillons hoch über demsteilen Ufer der Seine erbauen (Abb. 336). Der Baumeister des Palastes war ein Fran-zose, um aber den Garten, der sich in steilen, getürmten Terrassen nach dem Flussesenken mußte, anzulegen, berief der König auf Anraten von Maria Medici einen Italiener,mit Namen Francini. Das Schloß Heinrichs IV. ist bis auf einen Pavillon verschwunden,die Gärten sind bis auf jede Spur dahin. Es verfiel bald nach Heinrichs Tode, vielleichtwar es zu schnell gebaut, vielleicht hat der französische Baumeister die Fundamentean dem steil abfallenden Terrain nicht genügend meistern können; im Garten wandtesich zudem der Geschmack bald so ganz anderen Aufgaben zu. Aus den Schilderungenaber und den Stichen ersteht uns hier ein vollkommen italienischer Garten, wie ihnFrankreich nur selten gesehen hat: Auf großen, axial angeordneten Rampentreppensteigt man auf sechs Terrassen zum Flusse herab. Von unten gesehen schließt sich dasBild zu einer ungeheuren Palastfassade zusammen, in der Art, wie der Aufgang derOrtiFarnesiani. Unten am Flusse ist ein Parterre, das auf unserm Stich noch geometrischeEinteilung, in Wappen ausgelegt, mit Hecken umgeben und von Bassins und Spring-brunnen belebt, zeigt. Die Terrassen sind teils als figurenreiche Bosketts angelegt, dieFuttermauern zeigen Eingänge zulangen Reihen von Grottenzimmern, in deren Wasser-spielen sich die italienischen Motive wiederholen: der Orpheus, bei dessen Leierspiel sichBäume und Tiere bewegen, die Drachenfontäne mit den singenden Vögeln und vielesandere. Zur Seite des Schlosses liegen je zwei giardini secreti. Das schönste war dieherrliche Aussicht, die man von der obersten Terrasse genießt. Wo die Kaskaden, dievon Terrasse zu Terrasse niederfallen, lagen, von denen Evelyn berichtet 62 , ist auf den

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