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Verneuü
9. KAP.
mitten der Beete ein verkleinertes Bild des großen Gartens zeigt. Die einzelnen Abtei-lungen des Parks nennt Du Cerceau parquet, ebenso wie die quadratischen Beete desGartens auch, womit also augenscheinlich nur ein viereckiges Gartenstück bezeichnetwerden soll. Sie enthielten: „die einen Wiesen, die anderen Gebüsch, wieder andere Bos-ketts, andere Tiergehege (garennes), Fruchtbäume, Fischweiher, sie waren durch Alleengetrennt und zwischen diesen kleine Kanäle. Kurz, es war hier alles, um einen Ort voll-kommen zu machen" 37 . Diese Schilderung Du Cerceaus gibt uns endlich ein erschöpf en-des Bild eines Parks jener Zeit und erfüllt nun auch die übrigen schematischen Park-zeichnungen auf seinen Stichen mit Leben.
Den Höhepunkt dieser ganzen Stilentwicklung haben zwei Schlösser erreicht, die nie-mals ganz vollendet wurden und heute völlig vom Erdboden geschwunden sind: Verneuilund Charleval. Für beide sind wir auf die Zeichnungen und Stiche Du Cerceaus angewiesen,die aber, selbst wenn sie nicht ganz in der Weise zu Ende geführt worden sind, doch ihrenPlatz behaupten, da Du Cerceau aller Wahrscheinlichkeit nach in beiden Schlössern selbstder Baumeister war. In Verneuil 38 (Abb. 326) besaß ein kunstliebender Adliger, Philippede Boulinvilliers, ein altes Schloß im reizenden Tal der Oise. Er beschloß aber im Jahre1558, sich auf dem Hügel daneben ein neues zu erbauen. Auch dieses hohe Schloß ist mitBastionen und Gräben umgeben. Die ersteren dienten als Schloßterrasse und waren nachdamaliger Mode wohl mit Mosaik gepflastert, wie wir es von anderen Schloßterrassenjener Zeit in Gaillon und Anet hören 39 . Nach dem Garten zu erhebt sich auf der zumHofe erweiterten Terrasse noch ein Torbau, eine Exedra, von zwei Pavillons flankiert.Rampentreppen führen in ein vertieftes Parterre, das inmitten seiner sechzehn reichornamentierten Beete eine zweischalige Fontäne zeigt. Schmale höhere Seitenterrassenragen mit ihren Baumalleen als Schattenumrahmung über diesen Blumengarten auf. Wie-der steigen Treppen, die an einer verzierten Futtermauer herabgeleitet sind und einenGrottengang umschließen, in ein zweites Parterre, das vielleicht als niederes Boskettangelegt war, vielleicht in Buchshecken eine Art Labyrinth darstellte. Auch hier liegenzur Seite zwei erhöhte, mit dichten Baumwäldchen bestandene Terrassen, die aber, nurebenso breit wie das Mittelparterre, dem Garten eine bedeutendere Ausdehnung geben.Dieses ganze Gartenstück ist von einem breiten Kanal umflossen, über den vom Mittel-parterre aus drei Brücken zu einer schmalen Terrasse führen, die auf beiden Seiteneine Einfassung von grünumranktem Latten werk hat. Ein zweiter Arm des Kanals trenntauch diese schmale Terrasse von der letzten, die den Garten abschließt. In der Mitteist sie von einem Pavillon überbaut, zu dem die Verbindungsbrücke über den Kanalführt. Auch an beiden Seiten verbinden die beiden letzten Terrassen links eine Pergolamit Pavillon von Lattenwerk, rechts eine Galerie. Höchst imposant muß der Blick vondieser untersten Terrasse über die verschiedenen, wasserumflossenen Parterres bis hin-auf zu der überragenden Exedra gewesen sein, und umgekehrt überflog der Blick von derHöhe der Exedra die schönen Gartenanlagen, während zur Seite linker Hand am Fußedes Hügels sich das alte Schloß erhob, auch dieses durch eine Reihe nicht unbedeutenderGartenanlagen, die sich den Hügel hinaufzogen, mit dem neuen Schlosse verbunden.
Dieser Bau eines adligen Privatmannes wird, wenn auch nicht durch Mannigfaltig-keit, so doch durch die grandiose Durchführung eines einheitlichen Planes, von demKönigsschlosse übertroffen, das Karl IX. sich in der Normandie zwischen Paris undRouen erbaute. Es lag in einem Tale, dem er seinen Namen Charleval gab 40 (Abb. 327).