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Madrid, Buen Retiro
8. KAP.
Büsten angebracht. Nördlich davon liegen neben den Palasträumen und dem Theater-bau andere kleine Parterres, doch alle mit vollkommener Abschließung gegen den Parkzu. Die Komtesse d'Aulney schildert besonders den Garten des Palasthofes, „vier großeCorps de logis mit vier größeren Pavillons bilden ein vollkommenes Viereck, inmittendieses findet man ein Parterre mit Blumen angefüllt und eine Fontäne, deren Statuedie Wasser emporwirft, welche die Blumen und die sich kreuzenden Alleen, die voneinem Corps de logis zum andern führen, bewässern können" 36 .
Das vielgenannte Wunderwerk jener Zeit, von dem der rohe Stich (Abb. 300) kaum einenäußeren Anhalt bietet, aber war der Park, der jedoch bei allem Reichtum auch keinen zu-sammenfassenden Gesamtplan hatte. Hier allerdings konnte sich der Künstler die italie-nischen Vorstadtparks, mit denen dieser im Wetteifer gearbeitet war, als Vorbild nehmen.Der spanischen Anlage aber fehlen die großen Durchblicke, die dort das Hauptgebäude im-mer wieder mit dem Park verbinden. Der Park als solcher muß den Schilderungen jenerZeit zufolge alles enthalten haben, was nur an Gartenmotiven die lange Zeit der Ent-wicklung aufzuweisen hatte. Den Mittelpunkt nach Osten bildete der große Stern, wovon einem achteckigen Platz acht bedeckte Gänge nach den verschiedenen Park-teilen führten. Ein besonderer Stolz waren die großen Wasserbauten; heute noch be-steht der riesige Teich, ein 500 Fuß langes, 270 Fuß breites Bassin, das von Pavillonsumgeben war, die zum Teil als Schöpfwerke dienten. Er war als eine Naumachie ge-dacht, mit einer Insel in der Mitte. Von ihm aus führte ein Kanal zu verschiedenenanderen Bassins, die bei Gondelfahrten so untereinander erreichbar waren. An der öst-lichen Peripherie des Gartens bog der Kanal im rechten W T inkel um und begleitete einemit mehreren Reihen von Bäumen bestandene Mailbahn. Verschwiegene Bosketts miteiner Fülle von Brunnen traf man überall, wenn man sich zurückziehen wollte. Aus-sichtsberge an den Mauern gestatteten dafür freien Ausblick. Noch heute hat sich inder Nordostecke die montaha ruse erhalten. An der westlichen Mauer lagen die Blu-menparterres. Die Herrlichkeit dieser Beete, wie der Gärten überhaupt, schildert einJesuitenpater, der sie 1638 sah, in seiner Sprache 37 : „Hier sieht man farbenglühendeBeete, wo der Rosmarin Buchstaben formt, welche das Geheimnis ihrer verschlungenenBlumen erklären. Über Töpfen bemalter Talavera, die das feinste Silber beschämen,erglühen Kronen von Nelken, umgeben von Basilien, gleich als sei die Erde österlichgeschmückt, mit rot und blauem Taft. Da sind spiegelklare Quellen, Pfade, gesäumtmit Rosen und Jasmin, purpurschimmernd abgeblätterte Nelkenblüten; Anger, denenArabien alle seine Lilien überlassen zu haben scheint. Keine erdenkliche Wonne, diediese Gärten nicht in sich schließen." Die Blumen wurden aus der ganzen Welt hierherzusammengeholt. Im Jahre 1633 kamen 13 Wagenladungen davon aus Valencia; solcheGeschenke von Fürsten waren sicher, höchst willkommen zu sein. Der Kardinal Piodi Savoya schickte seinen Gärtner Fabrizio aus Rom mit Blumenzwiebeln im Wertevon 10000 Dukaten 38 . Einige abgelegene Teile nach Süden trugen einen mehr länd-lichen Charakter mit Wiesen und Bäumen, „was die Einfachheit des Landlebens bewahrtund ungemein gefällt" 39 . In zwei Dingen, die von großer Wichtigkeit für die Weiter-bildung der Gartenkunst werden sollten, wurde Buen Retiro zum Vorbild: der Aus-bildung der Eremitenvillen im Park und der Kunst der Gartenfeste. Von der demSpanier vertrauten Verbindung von Vergnügen und Frömmigkeit war schon die Rede.Wenn der fanatische Ernst des XVI. Jahrhunderts jetzt geschwunden war, so