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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
Entstehung
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Rom,

Villa Borghese

7. KAP.

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Das ganze übrige Gebiet der Villa war ein großer Tierpark mit einer Fülle vonKäfigen für wilde Tiere, seltenes Wild, Geflügel und Fischen in einem große Teiche,Vogelherden und Jagdgebieten für Kaninchen, Hasen, Rehe. Alles aber, mit Ausnahmedes unbepflanzten Jagdgrundes, der sich nördlich und östlich um den hinteren Zier-garten legt, war völlig regelmäßig bepflanzt, von weiten, geraden Alleen durchzogen.Auch die Vogelherde (23) sind regelmäßige, von Holzgestellen eingefaßte Laubengänge,zwischen die man Netze spannen konnte. Jede den einzelnen Tiergattungen bestimmteAnlage ist von einer besonderen Umzäunung mit Eingangstoren umgeben. Nach derMuro torto auf dem Gebiete des heutigen giardino del Lago war noch einmal einTeil mit regelmäßigen Eichenbosketts bepflanzt, denen zur Seite ein kleines Kasinolag, das zu verschiedenen Zwecken, als Gärtnerwohnung, zeitweilig aber auch alskleines Wohnhaus der Familie gedient hat (20). Auch hier hat ein reicher Statuenschmucknicht gefehlt. Da hier ein zweiter Eingang der Villa lag, sollte festlicher Schmuck denEintretenden empfangen.

Etwas ganz Neues hatte der Kardinal hier für seine Zeit geschaffen, es entsprach völligder feudalen Geistesart dieses Kirchenfürsten, daß er sich dicht vor den Toren der Stadteinen großen Tierpark anlegte, einen Garten, der ganz den noblen Passionen geweihtwar. Er griff damit auf die mittelalterlichen Anlagen zurück, wo die Fürsten sich vor denToren der Stadt große Tierparks umhegten; im XVI. Jahrhundert war diese Neigungzurückgetreten. Scipio Borghese aber wußte diese feudalen Anlagen mit einem Kasinound Ziergärten zu verbinden, die mit raffiniertem Luxus eingerichtet und mit auser-lesenen Kunstwerken geziert waren. Die Ziergärten selbst sollten sich dem strengenCharakter des ganzen Parkes durch ihre Bepflanzung anpassen. Nichts mehr von derHeiterkeit der Renaissancegärten ist hier zu finden, es herrscht die Massenwirkung derEichen-, Lorbeer- und Zypressenbosketts, die dicht bis an das Kasino herantreten,sie sind für den gravitätischen Ernst in Kleidung und Zeremoniell bei den großen Festenjener Tage der passende Hintergrund. Archaistisch müssen die Einzäunungen dereinzelnen Abteilungen des Parkes gewirkt haben, wenn sie auch meist durch praktischeZwecke bedingt waren; monumentale Eingangstore gaben dem Ganzen eine reichearchitektonische Gliederung. Mittelalterlich mutete auch die schwere, mit Türmen undPavillons verzierte Doppelmauer, die das Ganze umgab, an, nur alles ins Kolossalischeübertragen.

Und als nun dies große Werk vollendet war, eröffnete es der Kardinal den Römernzu freiem Besuch mit folgender Inschrift:Wer du auch bist, nur sei ein Freier, fürchtehier der Gesetze Fesseln nicht! Gehe, wohin du willst, pflücke, was du willst, entfernedich wieder, wann du willst. Mehr selbst als für den Eigentümer ist hier alles für denFremdling bereitet. In dieser goldenen Zeit, die eine allgemeine Sicherheit verheißt,will der Herr des Hauses keine eisernen Gesetze geben. Der anständige freie Wille seidem Gastfreund hier Gesetz. Derjenige aber, der boshaft und vorsätzlich der Urbanitätgoldnes Gesetz verletzt, fürchte, daß der erzürnte Aufseher ihm der Gastfreundschaftgeheiligte Zeichen verbrenne." Auch diese Inschrift verrät die bewußte Entfaltungvornehmer Gesinnung, wie Scipio Borghese sie liebte. Nicht etwa, daß der Kardinalmit der freien Öffnung seiner Gärten etwas Besonderes getan hätte ähnlichem Geisteentsprang schon die Inschrift, die Brenzoni für seine Villa in San Vigilio verfaßte aberScipio Borghese tat dies, wie alles, in großem Stil. Seit den frühesten Zeiten der Renais-