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Villa Mattet
7. KAP.
Gärten Vignolas, Ligorios u. a. bestimmten den architektonischen Eindruck das Wasseroder die Terrassenaufgänge. Hier zum allerersten Male arbeitet der Künstler im größerenStile mit der Perspektive. Lange Alleen werden auf bestimmte Schlußpunkte, Archi-tektur oder Skulptur, angelegt. Die Beete haben sich in ihrer Form den Alleen unterzu-ordnen; große, freie, halbrunde Plätze am Anfang dieser Alleen erhöhen den majestäti-schen Anblick, den ja auch Evelyn besonders betont. Ihre Größe wird noch erhöht durchdie Fortsetzung über den Ziergarten hinaus in den Park, dessen Bedeutung später erwähntwerden soll. Die vielen schönen Brunnenanlagen — leider vollständig untergegangen -—sind mehr als ein Schmuck der einzelnen Plätze, Gartenteile und Alleen gedacht, als daßsie die ganze Komposition als ihr Leitmotiv beherrschten 1615 . Villa Montalto ist indieser Hinsicht nicht nur die früheste dieses Stiles, sondern bleibt noch lange hinausdie einzige. Erst mehr als ein halbes Jahrhundert später knüpft an diese Ideen Fontanasder französische Garten an, der sie dann noch konsequenter und auf größerer Basisdurchführt.
Die Villa Montalto hatte sich aber außer ihrer selbstgeschaffenen points de vue nochder Mitwirkung von Bauwerken zu erfreuen, die außerhalb standen. Nicht zum letztenhat der Papst diese Lage für seine Villa gewählt, weil man von einer Seite die mächtigenTürme und Kuppeln von S. Maria Maggiore, nach Osten durch eine Hauptallee diekleine Kirche S. Antonio erblickte und gegen Westen die Ruinen der Diokletiansther-men bis in den Park hinein ragten. Die Aussicht des Gartens war eine wichtige Bedin-gung für seine Lage schon seit Albertis Zeiten, und in einem Lande, so reich an landschaft-lichen Schönheiten, leicht überall zu finden. Rom aber bot außerdem noch die Fülleder Kirchen und Ruinen, und man sah früh ein, welch eine Bereicherung des Villenbildesder Ausblick auf ein solches Bauwerk war.
Ganz mit einer Kirche zusammenkomponiert ist die Villa, deren Spuren wir nochheute, wenn auch stark verwischt, auf der Höhe des Coelius finden: die Villa Mattei(Abb. 236). Die kleine Kirche S. Maria in Domenica — sie trägt ihren Beinamen dellaNavicella von einem Schiffchen, das Leo X. davor aufgestellt hatte, eine Nachahmungeines antiken Fundes ■— ist von drei Seiten von dem Garten eingeschlossen. Neben ihrerFassade liegt das Eingangstor. Diese uralte Basilika mit der lieblichen, Raffael zuge-schriebenen Vorhalle vertritt hier die Stelle eines Eingangskasinos, dem in der Mittedes Gartens liegenden Palazzo gegenüber. Außer der Navicella aber blickt östlich dermalerische Rundbau von S. Stefano herein, auch aus frühchristlicher Zeit, auf antikenFundamenten aufgebaut. Und auf antiken Fundamenten ist der ganze Garten errichtet,die alten Mauern, noch heute deutlich an ihrem opus reticulatum kenntlich, sind alsFuttermauern für die Terrassenbauten benutzt; ein Stück einer alten Wasserleitungan einer Ecke des Gartens ist später ganz in diesen selbst hineingezogen. Nach Südenaber schweift der Blick über die Caracallathermen nach der bergumsäumten Campagnahin. Cyriaco Mattei, aus einer alten römischen Adelsfamilie, hatte sich diese herrlicheLage für seine Villa ausgesucht. Vor 1582 muß sie begonnen sein, ja in diesem Jahreder Vollendung nahe gewesen sein. Damals schenkte die Stadt ihrem Bürger einenObelisken, der einst vor Aracoeli gestanden hatte, aber entfernt wurde, als die FamilieMattei dort eine Kapelle errichten ließ. Cyriaco stellte den Obelisken als schönstenSchmuck in der Mitte des sogenannten Amphitheaters auf, einer zirkusförmigen Anlage,die sich seitlich an das Kasino anlehnte und in einem runden Abschluß mit einer