Villa Lante, Bagnaja
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tektonischen Aufbau des Gartens geworden. Der Garten benutzt jetzt alle Motive,die ihm die frühere Entwicklung überliefert; doch so, daß sie sich dem Gesamtbildevöllig unterzuordnen haben. In diesem Garten ist zum erstenmal die Symmetrie strengdurchgeführt. Sie konnte erst dadurch zum Ausdruck kommen, daß die Hauptachsedes Gartens mit der des Wassers zusammenfiel. Ligorio war dem noch in Villa d'Estemit einer gewissen Umständlichkeit aus dem Wege gegangen, er läßt die Hauptgarten-achse die Wasserachsen schneiden, so daß wir trotz des überschwenglichen Reichtumsdie Wirkung des Wassers in der Tivoli-Villa im einzelnen zusammensuchen müssen.Wie sehr dieser Absicht symmetrischer Geschlossenheit der Umstand zu Hilfe kommt,daß der Blick frei dem Wasserlauf bis hinauf zum Quellhause folgen kann, ist schonerwähnt.
Doch nicht nur das Wasser, auch die Kunst der Bepflanzung zeigt sich hier als glück-liche Unterstützung der Architektur. Je höher hinauf wir von den niederen lichtenBlumenbeeten des Parterres kommen (hortuli con fonticuli bezeichnet sie der Stich),desto mehr nimmt der Schatten und die dunkle Bepflanzung zu. Die oberste Terrassewird rechts und links durch zwei Tannenwäldchen begrenzt. Neben dem Ziergartenliegt westlich der Park, schon auf dem Stich angegeben und auch heute noch, obgleichhier die Bepflanzung mehr waldartig geworden ist, dank der guterhaltenen Brunnenleicht in seinem Plan zu erkennen. Der Park ist wahrscheinlich erst von Montalto an-gelegt. Montaigne erwähnt ihn noch nicht. Die strenge Symmetrie ist hier einem lockerenPlane gewichen. Große Alleen, die zum Teil sternförmig in einem Mittelpunkt zusammen-laufen, zum Teil entlang den Terrassen angelegt sind, bestimmen den Eindruck. EineFülle von Brunnen, die am Ende einer Allee oder an Ruhepunkten angebracht sind, be-leben das Bild. Unter den Brunnen nimmt das prächtige Bassin am unteren Eingang,das tief in den Berg geschnitten und mit schönem bildnerischen Schmuck versehenist, eine hervorragende Stelle ein. Wir dürfen hier eines der frühesten Beispiele einesitalienischen Lustparks sehen, was um so bemerkenswerter ist, als in Italien in dieserZeit nur ganz wenige solcher Lustparks nachgewiesen werden können. Die großen, wald-artigen Tierparks sind hier im XVI. Jahrhundert mehr und mehr verschwunden; manbegann sparsamer mit dem Boden umzugehen, immerhin werden wir ihren Spurenauch im XVII. Jahrhundert, wenn auch in etwas veränderter Gestalt, wieder begegnen.Doch selten ist neben dem Ziergarten solch ein „Boskett" vorgesehen, das weder Tier-park noch Kulturpflanzen enthalten kann — für beides ist schon sein Umfang zu klein:der Park ist nur etwa doppelt so groß wie der Ziergarten, und Tierkäfige irgendwelcherArt fehlen auch —, so kann er nur zum Lustwandeln dienen. Allerdings sind gerade die ita-lienischen Parkanlagen heute bis auf verschwindende Ausnahmen entweder ganz ver-wildert oder nach englischem Geschmack umgemodelt. Um so dankbarer ist die sorg-fältige Erhaltung in allen Teilen von Villa Lante zu begrüßen.
Wie es auch mit Vignolas Anteil an den eben besprochenen Villen beschaffen seinmag, unbestritten gebührt ihm der Ruhm, das bedeutendste fürstliche Landhaus derRenaissance für seine alten Gönner, die Farnesi, erbaut zu haben: Caprarola beiViterbo. Allerdings war auch hier der Grundplan schon vor ihm vorhanden, der ältereKardinal Alexander Farnese hatte von Peruzzi eine Festung bauen lassen 110 , an derenPlan oder auch Ausführung der jüngere San Gallo stark beteiligt gewesen sein muß 111 .Wenn Vasari an anderer Stelle erzählt, daß Vignola „Erfindung und Zeichnung" 112 von