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Orti Farnesiani — Villa Papa Giulio
7. KAP.
(Abb. 196). Die Mitte wurde durch eine breite, flach ansteigende Treppe durchbrochen,die zu einem großen Grottenzimmer stieg, das noch heute einige Spuren der alten Stuck-dekoration zeigt und durch die Menge des jetzt nutzlos herabstürzenden Wassers dieFülle seiner Brunnen verrät. In immer reicheren Motiven steigen nun die balustraden-geschmückten Terrassen empor, mit Blumenbeeten und immergrünen Hecken ge-schmückt. An der Futtermauer der höchsten Terrasse führen besonders schöne Rampen-treppen empor zu der Höhe des Gartenterrains, nur durch zwei schräg zueinander ge-stellte Vogelhäuser gekrönt. Schon die Stellung dieser Volieren zeigt die Absicht desBaumeisters: vom Forum aus wollte er ein pompöses Gesamtbild seines architek-tonischen Aufbaues gewähren. Die Terrassen schließen sich von hier aus wie zu einereinzigen Palastfassade zusammen, der die beiden Vogelhäuser als turmartige Bekrönungdienen 102 (Abb. 197). Ihre schräge Stellung soll dem Ganzen durch die perspektivischeTäuschung größere Tiefe verleihen. Diese imposante Schöpfung Vignolas ist dem archäo-logischen Eifer zum Opfer gefallen; Napoleon I. ließ hier die ersten Ausgrabungenmachen. Das Wenige, das heute noch steht, geht einem schnellen Verfall entgegen.Nur kleine Reste der Dekoration, besonders die anmutigen Sgrafittos an der oberenFuttermauer, wie einige Grotteneingänge, sind als Zeugnisse der schönen Anlagenoch erhalten. Der Hauptreiz des großen, ebenen Gartens hat von jeher in den ringshereinschauenden Ruinen des Palatins und in dem Blick auf die aus grüner Wildnisaufragenden Trümmer des Forums gelegen. Von dieser Seite wirken die Vogelhäuserals nichts anderes, als was sie sind: kleine Pavillons. Der Garten entbehrt also jeg-lichen Wohnhauses. Er war einzig und allein ein Lustwandelplatz, und nur einkleines Kasino in der südlichen Ecke bot vorübergehenden Schutz vor der Unbill derWitterung.
Vignola wurde auch von dem Nachfolger Pauls III., dem unruhigen, dilettantischenPapste J ulius 1 1 1 ., an der Villa beschaff igt, die dieser sich an der Via Flaminia erbauen ließ.Geplant war auch hier wie in der nahen Villa Madama eine Vorstadtvilla allergrößtenStils, die Gärten sollten die Hügel bis gegen Ponte Molle bedecken. Was aber davonwirklich ausgeführt worden ist, ist heute ebensowenig festzustellen, wie man den Anteilherausfinden könnte, den jeder der daran beschäftigten Künstler: Michelangelo, Vasari,Vignola, Ammanati gehabt hat. Vasari selbst nimmt für sich den Ruhm in Anspruch,den Entwurf für den schönsten der noch erhaltenen Höfe, das sogenannte Ninfeo 103 ,gemacht zu haben. Dieser kleine Hof liegt vertieft zwischen zwei größeren Gartenhöfen,der vordere ist nach dem Hause zu durch eine halbrunde Halle, nach den anderen dreiSeiten durch doppelte Säulenhallen abgeschlossen (Abb. 198). Heute ist er wiedermit heckenumsäumten Rosenbeeten bepflanzt, die, wenn auch nicht ganz im alten Stil,doch der Absicht des Erbauers nahekommen. Durch die hintere Säulenhalle tritt manauf die Terrasse, die auf das Ninfeo herabsieht, zu dem halbrunde Treppen führen.Auf der anderen Seite steigen im Innern verborgene Treppen in die Säulenhalle, die dendritten Hof abschließt. So ist der Eindruck stiller, kühler Abgeschlossenheit, die manvon einem Ninfeo verlangte, auf das glücklichste erreicht (Abb. 199). Da die Terrasse undder rings mit einem Wasserkanal umgebene Platz des Ninfeo gepflastert sind, so tritt dieBepflanzung ganz zurück, nur um die kleinen Grottenbrunnen, die überall plätschern,hat das Grün wohl immer gewuchert, und auf dem Estrich sind im Sommer Orangen undLorbeeren aufgestellt gewesen. Von anmutigster Wirkung ist die Karyatidengrotte,