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Villa d'Este, Tivoli
7. KAP.
Berge und das hochgelegene Städtchen Montorsoli nach Norden hin öffnete. Dort auf.die Höhe wollte er sich sein Haus bauen und davor sollte sich der Terrassengarten instrenger Symmetrie in der Hauptachse des Gebäudes herabziehen. Unbekümmert dar-um, daß das Gerippe des Berges nordwestlich verläuft, ließ er den Garten nach Nor-den anlegen, wodurch eine kolossale Untermauerung fast einer Hälfte des Gartens nachWesten zu notwendig wurde. Ippolito aber war nicht der Mann, der vor Schwierigkeitenoder Extravaganzen zurückschreckte. Der Garten zerfällt deutlich in zwei Teile, denebenen unteren Garten und den in fünf steilen Terrassen zum Hause aufsteigenden Berg-garten. Diagonale Wege und gerade Seitentreppen 86 stellen die Verbindung der Ter-rassen untereinander her. Die Hauptlängsachse (Abb. 181), vom Mittelportal desHauses ausgehend, wird durch eine Wiederholung dieses Portalmotivs in immer ein-facheren Formen in den Futtermauern der Terrassen bezeichnet; sie dienen hier alsEingänge in die Grotten. Eine besondere Betonung erhält diese Hauptachse durchdie große, von mächtigen Rampentreppen flankierte Drachenfontäne auf der fünftenTerrasse (Abb. 182), kleinere Brunnen sind auf den höheren Terrassen in der Mitte an-gelegt. Ein Stich des Franzosen Duperac, der noch aus dem XVI. Jahrhundert stammt,zeigt schon den ganzen Garten mit fast allen seinen Wasserkünsten vollendet (Abb. 183).Ein unerschöpflicher Reichtum herabbrausenden Wassers stand dem Baumeister zurVerfügung. Ein Teil des Anio, der den ganzen Stadthügel mit seinen Wasserarmen um-klammert, wurde von Osten her in den Garten hineingeleitet und von dem Künstler be-nutzt, um in äußerst wirksamer Weise die Querachsen zu bezeichnen. Die untere trenntden ebenen von dem terrassierten Garten durch vier breite Bassins 87 (Abb. 184). östlichendet sie aufsteigend in der imposanten Wasserorgel (Abb. 185 u. 186), von der einmächtiger Wasserfall in den darunter liegenden Teich fiel, ein brausender Gegenklanggegen den stillen Spiegel der Teiche; westlich trug ein Vorsprung, der heute verschwun-den ist, vielleicht nie ausgeführt wurde, eine Wasserkunst. Die zweite Querachse be-ginnt auf der dritten Terrasse mit dem östlichen Wassertheater: riesige Tuffsteinblöcke,von einem springenden Pegasus gekrönt, fassen den Sturz des Wassers; in kleinen unregel-mäßigen Nischen sitzen Quellgottheiten (Abb. 187), unter dem Fels ist ein halbrunderSäulengang um ein mächtiges elliptisches Wasserbassin gebaut; zwischen den Säulenschmücken Statuen eine Reihe von Nischen. Die drei übrigen Seiten des Theaters sindquadratisch ummauert, an der südlichen, in den Berg schneidenden Seite befindet sichnoch eine Badegrottenanlage. Ein schmaler Durchgang führt aus diesem Theater auf diePrachtstraße (Abb. 188) des Gartens, die den Berg entlang von dreistufigen Wasser-kanälen begleitet wird; unzählige Gebilde: Adler, Schiffchen, Fratzen usw. speien dasWasser aus einem Kanal in den andern, dazwischen sind Reliefs angebracht, die dieMetamorphosen Ovids verherrlichen. Im Westen endet diese Straße in einer der selt-samsten Anlagen der Renaissancegartenkunst: auf einer halbkreisförmigen Ausbuchtungder Untermauerung erhebt sich eine Puppenstadt. Die Gebäude sollten in kleinstemMaßstab die Restauration der ewigen Stadt darstellen. In der Mitte sitzt thronend einezum Maßstab der Gebäude viel zu große Minerva: Roma triumphans nannte sich stolzdie kleine Stadt. Unterhalb dieser kleinen Stadt ist wieder ein Wassertheater angebracht,das einen Brunnen mit einst singenden Vögeln umschloß.
Der Eindruck des ebenen Gartens, der jenseits der Bassins sich bis zum nördlichenAusgang erstreckt, hängt weit mehr als die Terrassen von der Art der Bepflanzung ab,