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Genueser Villen
7. KAP.
offenen Hof führten Freitreppen in den Ziergarten (Abb. 180), der als vertieftes Par-terre angelegt ist, da er nach dem Meere zu durch einen hohen Altan, zu dem Seiten-treppen emporführen, abgeschlossen ist. Darunter waren Grotten angebracht. SeinenHauptschmuck hat dieser Garten erst am Ende des Jahrhunderts durch den großen,dem Carlone zugeschriebenen Neptunsbrunnen erhalten. Der Gott trägt Andreas'Züge, er steht von Seegöttern umgeben in einem prächtigen, oblongen, mit Adlerngeschmückten Bassin. Viereckige Beete, durch zwei kleinere seitliche Brunnen geglie-dert und von Pergolen begleitet, zeigen noch heute die ursprüngliche Anlage. Bis zumMeere herab zogen sich noch weitere Gartenanlagen, als wollte das Geschlecht derDoria schon durch diesen Besitz, der sich wie ein Riegel vor Genua legt, seine Machtüber die Stadt anzeigen.
Hier also fand Alessi das Vorbild für seine Terrassenanlagen, die er und seine Schülermit sicherem Können nun in den Villenbauten rings um Genua anwendeten. Fastimmer liegt das Haus auf halber Höhe, so daß sich davor besondere Prunkterrassen undTreppen entfalten können. Leider ist heute von diesen Villen kaum noch etwas inseinem alten Zustande erhalten. Nur in Gauthiers Plänen und Aufrissen findet sichnoch das alte Bild. Am schönsten ist der vordere Aufgang in der Villa Pallavicini durch-geführt : in dreiteiliger Terrasse steigt man auf balustradenumsäumten Treppen empor;zwei große Bassins auf der obersten Terrasse haben der Villa den Beinamen „dellapeschiera" gegeben. Dieser Aufgang ist wahrscheinlich mit Orangen, Laubgängen undBlumenstreifen bepflanzt gewesen. Der Garten hinter dem Hause, wo sich auch dieAuffahrt befindet, ist eben, mit zwei Brunnen geschmückt 85 . Eine ganze Reihe vonPlänen, die Gauthier mitteilt, sind in ähnlicher Weise aufgebaut. Eine abweichendeAnlage zeigt die Villa Scassi in Sanpier d'Arena, die heute noch am besten das alteAnsehen bewahrt hat. Das Haus liegt unten an der Straße, der Garten steigt dahinterin drei sehr hohen und breiten Terrassen auf, die durch Grotten und Bassins belebtsind. Die oberste Terrasse krönt ein Kasino über einem Wasserreservoir. So schließtsich das Ganze vom Palazzo aus zu einem imposanten Anblick zusammen. Bei allerVollendung der Terrassenanlagen und besonders der Treppenbauten hatte Alessi dochbei seinen Genueser Villen mit einem großen Mangel zu kämpfen. Die steilen und kah-len Berge um Genua bieten nur spärliche Quellen, und weil die Wasserbelebung seinenBauten fehlt, erscheinen sie trotz ihres Reichtums an einzelnen künstlerischen Ge-danken etwas einförmig.
Welch mächtige Vorteile natürlicher Wasserreichtum einem Künstler in die Handgibt, das zeigt zuerst die Villa d'Este in Tivoli. Sie wird immer in erster Linie als eineRepräsentantin der Blütezeit italienischer Gartenkunst gelten. Ein selten glücklichesZusammenwirken von natürlichen und künstlerischen Mitteln hat hier ein Werk ge-schaffen, das trotz Unbill der Zeiten und des Ungeschmacks wie kein zweites seine un-vergängliche Schönheit erhalten hat. Dem Beschauer drängt sich sofort ein Gefühlvon der Sicherheit des Könnens auf. Alle Ängstlichkeit, alles Suchen ist geschwunden:der Künstler hat hier die Natur benutzt und gemeistert. Haus und Garten ist nichtnur aus einem Geiste geschaffen, sondern gleichsam zu einem Ganzen ineinander-verwebt.
Den Kardinal Ippolito D'Este, der im Jahre 1549 als Statthalter in Tivoli einzog,reizte die herrliche Aussicht, die sich von der Höhe des Stadthügels auf die Sabiner