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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Terrassenbau

7. KAP.

Natürlich beeiferten sich die Kardinäle bald, es dem Papste gleichzutun. Das Bildsolcher frühen Gartenmuseen hat sich in einigen Skizzen nordischer Künstler bewahrt,die im XVI. Jahrhundert in römischen Palästen zeichneten 43 . Eines der ältesten und be-deutendsten hatte sich der Kardinal Andrea della Valle in seinem von Lorenzetto in denzwanziger Jahren erbauten Palast als hängenden Garten anlegen lassen (Abb. 160) undhier an der Fassade antike Säulen, Basen und Kapitelle angebracht. Auf der Skizze,die den Garten in unfertigem Zustande zeigt, sind die Statuen an den Langseiten inzwei Reihen übereinander aufgestellt, die Schmalseiten von offenen Säulenhallen einge-nommen, friesartige Sarkophage und andere Reliefbruchstücke, darunter Stücke derÄra Pacis, in die Wände eingelassen. Die freien Zwischenwände bekleidet Lattenwerk,an dem sich aus Kästen grüne Schlingpflanzen emporranken. Eine verhängnisvolleNeuerung nahm von diesem Garten ihren Ausgang. Der Kardinal ließ, so erzählt Vasari 44 ,bedeutende Bildhauer kommen, die die Statuen ergänzten, was in ganz Rom so großenAnklang fand, daß man es ihm überall nachahmte. Ein großer Teil dieser Antiken-sammlung ging später in den Besitz des Kardinals Fernando Medici über, der sie inseiner Villa auf dem Monte Pincio aufstellen ließ. Das war zu einer Zeit, als Rom be-gann sich mit einem prächtigen Gürtel herrlicher Villen zu umgeben, in denen balddiese bisher in den Stadtgärten zusammengepferchten Statuen als schönster und wirk-samster Schmuck prangen sollten. Diese hohe Blüte der Kunst konnte in Rom sichschnell entfalten, nachdem die Stadt in den ersten Jahrzehnten des Jahrhunderts mitdem bedeutsamsten Schritt in die Entwicklung eingetreten war, durch die Wieder-einführung der Terrasse in den Garten.

Die bescheidenen Gartenverhältnisse des Mittelalters hatten den Terrassenbau ganzvergessen lassen, man pries es als Schönstes an einem Garten, wenn er ganz eben war.Auch Alberti hat trotz den seiner Zeit vorauseilenden Vorschriften für Villa und Gartennirgends Terrassen verlangt. Er las sich aus seinem Plinius nur die wenig erhöhte Lageund den sanften, unbeschwerlichen Anstieg der Wege heraus, Soderini schließt sich ihmdarin völlig an. Filaretes phantastische Terrassenbauten sind ein von der Antike an-geregter Architektentraum und entbehren jeder Grundlage der Wirklichkeit. Es istauch sehr charakteristisch, daß dort, wo er wirklich reale Vorschriften gibt, in seinemWerke ,,De Architectura'', in dem Doppelgarten, den er hinter seiner Villa anlegen lassenwill, von Terrassen auch nicht die Rede ist 45 . Ebenso ist Bembos Garten in den Asolani,der nach seiner Lage an der Felswand mit Leichtigkeit zu einem Terrassengarten hätteumgewandelt werden können, augenscheinlich ganz eben. Und das gleiche fanden wirüberall in den florentinischen Villen.

Trotzdem ist der Terrassenbau in weit früherer Zeit in Italien nicht unbekannt, manübte ihn von je im Weinberg. Auch die Dichterphantasie ließ er nicht ganz unbeschäftigt.Schon in der Mitte des XIV. Jahrhunderts begegnet uns in BoccacciosDecamerone" einehöchst anmutige Schilderung von Terrassenanlagen. Am vierten Tage führt der Dichterseine Frauen in ein Tal, das, rings von sechs Hügeln umgeben, eine zirkelrunde Talsohlebildet,als wäre sie nicht von der Natur, sondern von Künstlerhand angelegt". DieAbhänge der von kleinen Kastellen gekrönten Hügel senken sich wie in einem The-ater in Stufen, die sich jedesmal zum Zirkel zusammenschließen, über- und unterein-ander angeordnet herab. Auf der Südseite sind sie mit Wein, Oliven, Mandeln, Kirschen,Feigen und anderen Fruchtbäumen bestanden, auf der Nordseite von waldigen Laub-