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Statuengärten
7. KAP.
Boden Italiens und Griechenlands von diesen verborgenen Schätzen hergab. PoggiosSammlung ging in den Besitz der Mediceer über und bildete mit einer anderen vonNiccolö Niccoli und eigenen Erwerbungen Cosimos den Grundstock zu den ungeheuerenKunstschätzen der Mediceischen Sammlungen 35 . Cosimo selbst stellte schon Antiken inseinen Gärten auf. Ein Marsyas schmückte die Türe zu seinem Florentiner Palast.Lorenzo hatte dann an der Piazza San Marco Kasino und Gärten erstanden als künfti-gen Witwensitz seiner zweiten Gemahlin. Hier, in „Loggia, Gemächern und den Laub-gängen des Gartens" 36 , stellte er die Antikensammlung auf und richtete eine Zeichen-schule ein, in der beim Zeichnen und Anschauen der Antiken Michelangelo zum Bild-hauer wurde 37 . Zu den frühen Sammlungen, die einen Ruf genossen, gehört auch dieMantegnas in Mantua, die Lorenzo 1487 eines Besuches für wert hielt. Der schöne rundeGartenhof, der sich in Mantegnas Haus in Mantua noch leidlich erhalten hat, war von demKünstler mit Nischen versehen, in die er jedenfalls seine so geliebten Schätze aufstellenwollte 38 . Auch Bembo hatte sich, allerdings etwas später, nach seiner Trennung vonLeo X., in Padua einen Garten eingerichtet, in dem ein Gartenhaus als sein Studiostand, ringsum hatte er neben schönen Spalieren von Limonen und Orangen seltenerSorten dieSammlung seiner antiken Statuen aufgestellt 39 . Rom, das erst verhältnismäßigspät in die Entwicklung der Gartenkunst eintritt, steht auch in der Anlage von Sta-tuengärten Florenz zeitlich nach. Erst der Mann, der Roms Schicksal war, der an derEingangspforte zu der neuen Stadt steht, Papst Julius IL, gibt auch hierin ein vorbild-liches Beispiel. Als Kardinal schon hatte er im Wetteifer mit den Mediceern antikeStatuen gesammelt, die er im Garten seines Großpönitentiariats S. Pietro in Vinculisaufstellte. Als Papst überführte er diese Schätze in den Vatikan und stellte sie in demHofe der von Innozenz VIII. umgebauten Villa des Belvedere auf, und legte damitden Grund zu der wohl einflußreichsten Sammlung der Welt. Dieser Hof war damals umein Beträchtliches größer als heute, die Säulenhallen und Eckzimmer, in denen jetztdie Statuen untergebracht sind, fehlten. In dem ganzen Binnenraum war ein Gartenangelegt, den die venezianischen Gesandten, die 1523 dort zugelassen wurden, mit blühen-den Farben schildern 40 (Abb. 15g): „Am Ende der Loggia" (des heutigen Museum Chiera-monti), so heißt der Bericht, „tritt man in einen sehr schönen Garten, dessen eine Hälftemit frischen Blumen, Lorbeer, Maulbeerbäumen und Zypressen bestanden ist, währenddie andere Hälfte mit viereckigen Terrakottaplatten belegt ist; auf jedem Viereck er-hebt sich ein sehr schöner Orangenbaum, von denen eine große Menge vorhanden ist,und die in vollkommenster Ordnung stehen." Nach dem Bericht kann nichts anderesals der Belvederegarten damit gemeint sein, denn er allein liegt am Ende der Loggia,und nur bei einem zusammenhängenden Stück kann man von zwei Hälften sprechen 41 .Allerdings ist der ganze Raum noch immer nicht mehr als etwa 30 m im Geviert, undmerkwürdig bleibt die Behandlung halb als Orangen- halb als Ziergarten, doch istes nur ein Beispiel, wie klein damals noch im allgemeinen der Raum war, den manden Gärten zubilligte, selbst wenn man ein größeres Terrain zur Verfügung hatte,und wie sehr die Phantasie des Beschauers damals auf kleinem Räume Großes ver-körpert sah. Hier fanden nun die Statuen Aufstellung, die jahrhundertelang dasPilgerziel aller Kunstverehrer und der Ausgangspunkt der gelehrten Erforschung derKunst der Alten waren. Immerhin waren die Statuen damals noch günstig genug aufge-stellt. Von den acht Gruppen und Einzelgestalten, die 1523 die Sammlung ausmachten.