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Baum-, Blumen-, Fruchtgärten
6. KAP.
Abb. 131Rasenbankan der Mauer,aus Romande la Rose.Vläm. Ms.Brit. Mus.
Phot.
und de ringelen und violae wahsent" 38 . Neben dem Blumengarten wird früh von demBaumgarten gesprochen. Zuerst immer hören wir, daß der Garten von einer Mauer um-geben ist. „Wann um den Bomgarten ein viel hohiu mure gat" 39 oder „vor dem huseein bomgarten lag, darumb gieng ein hoher hag" 40 . Der Baumgarten, den Hartmannvon der Aue im „Erec" schildert 41 , hat zwar keinen Zaun noch Wasser, nicht Mauernoch Graben, der ihn umgibt, aber er ist ein Zaubergarten, ebenso wie der Rosengartendes Laurin, den statt der Mauer nur eine seidene Schnur schützte; dies Zauberwesenaber zeigt erst recht, wie gar notwendig die feste Mauer zum Schutze war. Der Baum-garten war die eigentliche mittelalterliche „plaisance", der Lustgarten. In ersterLinie enthielt er fruchttragende Bäume, aber wie aus Karls des Großen Capitulare
hervorgeht und der Baumgarten-Friedhof in St. Gallen bestätigt,waren es durchaus nicht alleinFruchtbäume, die man pflanzte,sondern auch eine Menge reinerSchmuck- und Schattenbäume. Dieim X. Jahrhundert entstandene la-teinische Tierfabel, die „Ecbasis Cap-tivi", schildert einen königlichenGarten, in dem eine Eiche inmittenvon Kräutern und Blumen wuchs,unter ihrem Schatten empfängt sieden kranken König, ein lautererklarer Quell durchrieselt den Gar-ten 42 . Im „Parzival''liegt ein Gartenum den Schloßberg, in dem außeredlen Blumen Feigenbäume, Gra-naten, Ölbäume und Weinrebensich befanden 43 . Und welche Rollespielt in Deutschland besonders dieLinde! Sie steht nicht allein imBaumgarten, nein, häufig schmücktsie den Burghof mit einem Rasenplatz und einem Brunnen. Sie ist der eigentlicheBaum der Geselligkeit und steht auch auf dem freien Anger. Man zieht ihre Äste breitund stützt sie mit Säulen, darunter ist dann eine Bank angebracht, auch in den Zweigenoben baut man häufig noch Sitzbänke; oft wird auch der ganze Baum mit einer um-mauerten Schranke umgeben, wie eine noch erhaltene Linde in Michelstadt 44 .
Im Garten selbst saß man am allerliebsten auf Rasenbänken, die meist rings an derMauer entlang liefen und dann aus Ziegeln aufgemauert waren oder auch für sichgesondert lagen (Abb. 131). Ebenso gerne setzte man sich aber auch zu geselligenSpielen oder Gesprächen oder zum Kranzflechten auf den blumigen Rasen (Abb. 132),dort waren die Blumen dann nicht in Beeten gezogen, sondern wuchsen überall imRasen zerstreut.
Schon in einem Psalter des X. Jahrhunderts begegnen die beiden Marien Christusim Garten auf einer solchen Blumenwiese 45 , und immer wieder trifft man auf diesen