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Klosterplan von Canterbury
6. KAP.
Sitten vieles von diesen Lebensgewohnheiten. Doch wenn auch nicht die Tafelfreuden,so forderte doch zu allen Zeiten der Gottesdienst viele Blumen. Dazu waren häufigbesondere Gärtlein dem Sakristan unterstellt, der zu den Festtagen die Kirche schmückenmußte. Schon im IX. Jahrhundert wird ein solches Sakristanblumengärtlein im Klostervon Winchester erwähnt 23 . Man pflegte diese Sitte in englischen Klöstern wohl beson-ders, wo noch heute nach alter Tradition der reizend gepflegte Blumengarten zumSchmuck der Kathedralen selten fehlt. Hier und da wird frühe schon das Amt einesbesonderen Klostergärtners erwähnt, der ja im St. Gallener Plan sogar ein besonderesWohnhaus hatte. Häufig aber wird es wohl nicht gewesen sein, daß dieses Amt einerder gelehrten Mönche bekleidete, wie dies in dem Salzburger Kloster Ranshofen sichals Tradition bis zu seiner Aufhebung im Jahre 1811 erhalten hat 24 . Hier mußte derPater Klostergärtner alljährlich eine Wanderung durch das ganze Klostergebiet unter-nehmen, um die Bauern in Obstzucht und Küchengärtnerei zu unterrichten. Nichtunwahrscheinlich ist es, daß der Dichter des Meier Helmbrecht im XIII. Jahrhundert,der sich selbst ,,Wernher der gardenere" nennt, ein solcher Ranshofer Klostergärtnerwar. Ein hübsches Bild, wie die Mönche Lehrer und Kulturträger ihres ganzen Gebieteswaren.
Dieser von den Mönchen mittelbar kultivierten Gebiete, die außerhalb ihrerMauern lagen, waren nicht wenig; auch die eigenen Wein- und Obstgärten waren baldviel zu groß, als daß sie im eingehegten Teile liegen konnten. Welche Ausdehnung dieseObstgärten manchmal hatten, zeigt eine Schenkung König Johanns von England anSlanthorny Priory von 12 Acker Obstgarten. Ein Weingarten gehörte in allen Ländern,in denen Wein gebaut wurde — und im Mittelalter reichte der Weinbau bis hochin den Norden von England und bis Ostpreußen —■ unbedingt zum Klostergut. InKöln liegt jetzt mitten im Gewühl der großen Stadt bei St. Mauritius ein stiller Wein-garten, aus dessen grüner Abgeschlossenheit lebendig ein Hauch des Mittelalters weht.Auf dem Plan des Klosters von Canterbury (Abb. 125), der etwa aus dem Jahre 1165stammt, liegen Obst- und Weingärten außerhalb der Mauern. Dieser Plan 25 ist augen-scheinlich gezeichnet, um die Lage der Bewässerung, vielleicht für Reparaturen, zuveranschaulichen, das bedeuten die dicken schwarzen Striche, die das halb aus derVogelperspektive, halb als Grundriß entworfene Bild durchziehen. Innerhalb derMauern ist die Bewässerung besonders reichlich unter den Kreuzgängen und Gärtenhingeleitet, da man sie hier für die Pflanzen am stärksten brauchte. In einem an deröstlichen Mauer gelegenen Hofe wird ein sehr großes Bassin Piscin genannt; es waralso zur Fischzucht bestimmt, die überall in den englischen Klöstern besonders reich-lich betrieben wurde. Auch der Laienkirchhof, der nördlich noch innerhalb der Mauerngelegen ist, hat seinen eigenen Brunnen. Das Krankenhaus sieht auf einen großenKreuzgang, der das „Herbarium", den medizinischen Garten, umschließt, in derMitte durch einen gewölbten Gang oder eine Pergola durchschnitten war und ander Seite das Brunnenhaus hatte. Auf der anderen Seite liegt der Mönchskirchhof.Der Plan ist fragmentarisch und, wie gesagt, zu bestimmten technischen Zweckenverfertigt. Das Kloster umschloß in einer Reihe von anderen Teilen sicher auchnoch andere Gärten. Außerhalb der Mauern liegen, auf dem Plan nur schematischangedeutet, der Obst- und Weingarten, weiter das Feld, in dem zwei Türme, wohlfür die Wächter, errichtet sind.