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Sizilianische Villen
5. KAP.
Abb. 112Generalife,Granada, Ein-blick in denGartenhof AI
Phot.
Sahum. Er gehört zu den Wundern der Welt wegen eines äußerst künstlichen Wasser-werkes: zwischen zwei Türmen liegt eine Wassertreppe von sechzig Stufen, darin sindWasserquellen oben, in der Mitte und unten, die oberste bewässert den obersten Teil,die mittlere den mittleren, die unterste den untersten mit einer bestimmt abgemessenenWassermenge" 45 . Auch den Wasserscherzen, die auf ein plötzliches, überraschendesDurchnässen des ahnungslosen Besuchers hinzwecken, begegnen wir hier zuerst in solcherAusführlichkeit. Doch auch hierfür bietet der Römergarten schon Ansätze, und wahr-scheinlich werden wir auch den Anfang in der den Wasserkünsten so geneigten helle-nistischen Kultur suchen müssen. Die Praxis in Generalife setzt schon eine ziemliche Ver-breitung dieses Zeitvertreibs voraus, derseine tausendfache Ausgestaltung in demwesteuropäischen Garten finden sollte.Das Generalife war übrigens nur einesder Lustschlösser, die sich das Naßriden-geschlecht oberhalb seines Alkazar, derAlhambra, erbaut hat. Navagero erzählt,wie er von hier in die Gärten einesweiteren und noch eines weiteren Lust-schlosses stieg, die aber schon zu seinenZeiten in Trümmern lagen. Kein anderesLand unter den Reichen, die die Araberim Westen gründeten, hat so bedeutendeReste ihrer Kultur erhalten. In Sizilienist sie gar gründlich zerstört worden.Selbst die Reisenden des XVI. Jahrhun-derts, wie Leandro Alberti und Fazello,sahen nur noch schlechte Reste, währendsie einst sich um die Stadt Palermoreihten, wie ein Halsband, das eineSchöne sich umgelegt hat. Noch stehtdie Villa La Zisa, die der erstere be-schreibt, aber so stark umgebaut, daßman kaum den Hof mit dem von ihm gepriesenen schönen Brunnen finden kann 46 . Dasganze Haus ist von einem Quellbach durchflössen, über den sich der zweigeschossigekostbar verzierte Hauptsaal wölbt, vor dem Hause sah noch Alberti einen herrlichenFischteich, in den sich der Brunnen aus der Halle ergoß, in der Mitte desselben stand einschöner Kiosk, der durch eine Brücke mit dem Lande verbunden war 47 . Eine anderearabische Villa, die auf dem Wege von Palermo nach Monreale lag, erregt das besondereInteresse, weil Boccaccio in der 6. Novelle des fünften Tages sie erwähnt und Cubanennt, aus arabisch Kubba oder Kuppelpavillon. Spuren eines bedeutenden Frucht-haines, von etwa 2000 Schritt Umfang, haben sich erhalten. „Dort prangten", so berichtetFazello 48 schon nach älteren Quellen, „die anmutigsten Gärten mit allen möglichenGattungen von Bäumen, mit nie versiegenden Gewässern, mit Gebüsch von Lorbeerund Myrten, darin erstreckte sich von Eingang bis Ausgang eine sehr lange Portikusmit vielen ringsum gewölbten Pavillons zur Ergötzung des Königs, deren einer noch