2. KAP.
Reliefband vom Boro-Budurtempel auf Java
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könnte europäischen Einfluß zeigen. In den Hauptzügen aber sieht dieser Garten weniganders aus, als jene, von denen die Mönche des V. Jahrhunderts in Anaradhapuraberichten.
Durch wenige Bildwerke nur werden diese indischen Parkberichte unterstützt. Aucherst dem X. Jahrhundert gehört das große Reliefband des Boro-Budurtempels auf Javaan. Dort wird das Leben des Buddha dargestellt und wie auch die Legende berichtet,spielt es sich ganz auf dem Hintergrunde des Parkes ab 73 . Die Bäume sind mit außer-ordentlicher Feinheit gezeichnet, doch zu schematisch, um mit Leichtigkeit die Artenzu bestimmen (Abb. 45). Sie erinnern auch in ihrer Anordnung an ähnliche assyrischeDarstellungen. Fast nie fehlen die Badebassins, die, meist viereckig, mit Steinwandungversehen sind und mit Lotosblumen bedeckt, zwischen denen sich Wasservögel schaukeln,meist sind sie auch von Fischen belebt 74 . Daß das Getier überall eine große Rolle spielt,ergibt sich schon aus der religiösen Auffassung der Inder. Auf dem Gesträuch sitzenüberall Vögel, Eichhörnchen oder Affen, die darin spielen. In den Grotten oder demFelsgestein, das konventionell gezeichnet ist, lagern Antilopen oder manchmal auchLöwen und andere Tiere.
Blumenbeete finden sich hier selten angedeutet, aber die indischen Berichte undLegenden wissen viel von Blumenopfern zu erzählen. In der Mahawansa wird jederFestzug mit einem Überschwang von Blumen gefeiert. Wer von den zahllosen Teil-nehmern sich auch dem heiligen Reliquienschrein nähert, legt eine Blumenspendedarauf nieder, bis Altar und Stufen unter Blumen begraben sind; an hohen Festtagenaber werden die hohen Kuppeln von oben bis unten mit Blüten bekränzt. Führt unsdie Chronik in einen Gartenhain, so umfängt uns stets ein berauschender Blumenduft,und das Auge ruht bewundernd auf den Beeten und den blühenden Ranken, die sichvon Baum zu Baum schlingen. Wandelte doch auch Mäyä, die Buddhamutter, bewun-dernd von Beet zu Beet in dem königlichen Garten.
Aus vielen Einzelheiten schließt sich das Bild dieses indisch-buddhistischen Gartenszur Einheit, verbindet ihn der großen westasiatischen Entwicklung und scheidet ihnvon den übrigen ostasiatischen Ländern, China und Japan, wo wir ein gänzlich ver-schiedenes Kunstempfinden antreffen werden.
Indische Anachoreten waren die ersten, die den Garten als den geeigneten Aufent-halt für ihr der tiefsten Betrachtung göttlicher Dinge geweihtes Leben erwählten. Wiraber dürfen vorausschauend sehen, wie häufig noch dem Garten eine gleiche Weihewurde: Aus gleichen Gründen sollten später die griechischen Philosophen und früh-christlichen Mönche sich in Gärten zu stiller gemeinsamer Betrachtung zurückziehen.
Abb. 45Relief aus demTempel vonBoro-Budur,Java
Nach Wilson11. Leemans
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