Das richtige Verhältnis zwifchen Bauherrn und Architekten ift dann vorhanden, wenn derBauherr fich darauf befdiränkt, fo eingehend als möglich feine Wohnanforderungen darzulegen,der Architekt aber die Wunfche in Form bringt. Legt der Bauherr gleich einen felbftgefertigten Ent=wurf auf den Tifch, fo find die Ausfichten für eine fachgemäße Behandlung der Aufgabe meift vonvornherein abgefchnitten, die Fähigkeiten des Architekten, aus dem reichen Schatze feiner Er=fahrungen heraus die befte Form für die vorliegende Aufgabe zu finden, ift unterbunden. Ergelangt gar nicht dazu, dem Bauherrn das zu geben, wozu er eigentlich berufen ift.
Neben dem Selbftentwerfer hat der Architekt häufig mit Bauherren feine Not, die mit fonder=baren, die unvoreingenommene Geftaltung hindernden Wünfchen an ihn herantreten. Der eineBauherr hat fidi auf einen Giebel, den er in irgend einem Abbildungswerke gefehen hat, verfteift,der andre wünfcht bei befchränkteften Baukoften unter allen Umftänden einen Säulenvorbau, derdritte legt das größte Gewicht auf eine durch zwei Stockwerke gehende Halle, obgleich fie für feinHäuschen gar nicht paßt, der vierte hat große Schränke, nach denen das ganze Haus gebaut werdenfoll, der fünfte fehnt fidi auch heute noch nach vier Meter hohen Räumen, die fämtlich durch großeSchiebetüren miteinander verbunden werden follen. Natürlich können folche Wunfche berückfichtigtwerden, wenn die Umftände es erlauben und der Bau im ganzen darunter nicht leidet. Meißensbedeuten fie aber ein Hemmnis für fachliche Geftaltung und leiten von vornherein zu Halbheitenüber, die im Endergebnis niemand Freude machen können. Vor allem aber; fie bedeuten faftüberall Verteuerungen, und diefe find heute weniger als jemals erwünfcht.
Es ift zu beobachten, daß viele Bauherren felbft nicht wiffen, was ihnen nutzt und frommt.Sie haben ihre Erfahrungen vielleicht nicht im Eigenhaufe, fondern etwa in der großftädtifchenMietswohnung, in Hotels oder in Kurorten gefammelt. Sie wollen dann eine Wohnweife in ihrHaus übertragen fehen, die für das Eigenhaus gar nicht am Platze ift, vielmehr deffen Wefen nurverwifchen und notwendigerweife zu einem falfchen Gebilde führen muß. Das vollkommene Land=haus trägt feine Eigenart in fich felbft. Es hat Reize, die weder im befteingerichteten Hotel nochin der großftädtifchen Mietswohnung zu finden find. Es bietet in feiner Verbindung mit demGarten, durch feine Lage im Freien, durch reichliches Nebengelaß in Keller und Boden, durch dieAusnutzung aller Winkel und Echen Annehmlichkeiten, die dem Bewohner der Mietswohnungeine ganz neue Welt eröffnen. Sonnig und licht, zweckmäßig und bequem und bei aller Schlicht^heit anziehend und behaglich, gehört es zu dem Beften, was uns das Erdenleben gewähren kann.