Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
184
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David nahm Eva bei der Hand, führte sie in den engenRaum, in dem sie seit sieben Jahren schlief, und sagte ihrins Ohr:Er braucht zweitausend Franken, sagtest du,Liebste? Postel gibt nur tausend her."

Eva sah ihren Verlobten mit einem ängstlichen Blickan, der all ihren Kummer zum Ausdruck brachte.

Höre! gehebte Eva, wir werden unser Leben schlechtanfangen. Jawohl, meine Ausgaben haben alles verschlun-gen, was ich besessen habe. Es bleiben mir nur zwei-tausend Franken, und die Hälfte ist unentbehrlich, damitdie Druckerei weitergehen kann. Wenn ich deinem Brudertausend Franken gebe, gebe ich ihm unser Brot, gefährdeich unsere Existenz. Wenn ich allein wäre, wüßte ich,was ich täte; aber wir sind zwei. Entscheide."

Eva warf sich, außer sich, ihrem Geliebten in die Arme,küßte ihn zärtlich und sagte ihm, von Tränen überströmt,ins Ohr:Tu, wie wenn du allein wärst; ich werde arbeiten,um diese Summe wieder zu verdienen."

Trotz eines Kusses, der so glühend war, wie ihn je zweiVerlobte ausgetauscht haben, war Eva, als David sie alleinließ und zu Lucien trat, sehr niedergeschlagen.

Sei ohne Sorge," sagte David zu Lucien,du sollstdeine zweitausend Franken haben."Geht zu Postel,'sagte Frau Chardon,ihr müßt beide den Wechsel unter-schreiben."

Als die beiden Freunde wieder heraufkamen, über-raschten sie Eva und ihre Mutter, wie sie auf denKnien zu Gott beteten. Obwohl sie wußten, wievielHoffnungen die Bückkehr erfüllen mußte, fühlten siedoch in diesem Augenblick alles, was sie mit diesemAbschied verloren; sie fanden das Glück der Zukunft zuteuer mit einer Abwesenheit erkauft, die sie unglückhebmachte und sie in tausend Ängste über das SchicksalLuciens versetzte.

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