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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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3. Der Unterricht im Zeichnen.

3. Der Unterricht im Zeichnen.

VomHerausgeber.

§ 105.I. Zweck und Bedeutung des Zeichenunterrichtes.

»Das Zeichnen soll der Schlüssel sein zu dem Schönen,welches sich iu Form und Farbe auswirkt« (Willmann). DerZweck des Zeichenunterrichtes aber hat als ein formaler,praktischer und als ein technischer in Betracht zukommen.

a) In formeller Hinsicht bezweckt das Zeichnen vorallem die Förderung der Erkenntnis durch Ausbildung desGesichtssinnes. Was gar viele Menschen mit den gesunde-sten Augen nicht können, das verständige Sehen, das lehrtder Zeichenunterricht, indem er das Auge übt, die Gegen-stände und ihre Grenzen, ihre Formen, ihre Farben undcharakteristischen Eigentümlichkeiten aufzufassen unddas Ähnliche und Unähnliche daran zu unterscheiden.Damit wird der Zeichenunterricht zu einer Grundlage fürden Anschauungs- und Realunterricht sowie für dieRaumlehre. Da aber die verschiedenen Formen in mannig-fachster Verbindung auftreten und das Zeichnen zum Kom-binieren, Umbilden und Selbstfinden neuer Formen auffordertund anleitet, so bildet es zugleich die Phantasie in der an-gemessensten Weise. Da ferner in den Vorzeichnungen undVorbildern dem Schüler nur schöne Formen vor Augen ge-führt werden, die ihn anregen und befähigen sollen, nicht nurdiese selbst schön nachzubilden, sondern auch die charak-teristischen Schönheiten an den Dingen der ihn um-gebenden Natur oder an den Gebilden der Kunst heraus-zufinden und sich ihrer zu freuen, so veredelt das Zeichnenden Geschmack und bildet den ästhetischen Sinn. Endlicherfordert dieses Lehrfach Geduld, Sorgfalt, Genauigkeit undSauberkeit bei der Arbeit und wirkt damit auf den Willen,ist also sittlich bildend.

b) Praktische Bedeutung gewinnt es schon in derSchule im Handarbeits- und Sachunterricht, der be-