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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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2. Der Gesangunterricht.

Das Richtigsingen setzt eine Übung im Abmessen derIntervalle voraus und dieses wieder die notwendigste Bildungdes Gehörs. Diese wird nun am besten erreicht durch das auf-merksame Zuhören bei reiner Instrumental- und Vokalmusik 1 )und durch entsprechende Übungen, bei denen vom Leich-testen auszugehen und nur ganz allmählich zu Schwereremfortzuschreiten ist. Deswegen sind schon mit den Kindern derersten drei Schuljahre auf die Silbe la etc. viele Übungen(sogenannte Elementarübungen, bei denen es auf das richtigeErfassen vorgesungener oder vorgespielter Töne, auf deren kor-rekte und schöne Reproduktion bei entsprechender Mundöffnung,auf rhythmische Fingerzeige und dynamische Winke abgesehenist) bis zum Tonumfange einer Sexte vorzunehmen. Auchdie auf dieser Stufe einzuübenden Liedchen sollen in derRegel den angegebenen Tonumfang nicht überschreiten. DieÜbungen sowohl wie die Liedchen werden zuerst vorgespielt undvorgesungen, hierauf von einzelnen 2 ), dann einigen und endlichvon allen Schülern nachgesungen. Selbstverständlich mufs da-bei bezüglich der Texte die Anforderung gestellt werden, dafssie, weil auf dieser Stufe auch das Lesen noch mehr Schwie-rigkeiten macht, unter allen Umständen vor dem EinübenderMelodie sicher gelernt werden, so dafs dann der Schülersein Hauptaugenmerk auf die Töne richten kann.

Auf der in Rede stehenden Stufe kann man es mit demblofsen Singen nach dem Gehör bewendet sein lassen.Mit den Schülern der Mittel- und Oberklasse aber, bei denen

l ) Daher müssen Schüler, deren Singf&higkeit sich noch nichtherausgestellt hat, eine Zeit lang bei den Singstunden blofs zuhören unddürfen erst dann, wenn das von Erfolg war, sich am Gesänge selbst be-teiligen. Solche aber, die jederzeit verraten, dafs sie fast alles musikali-schen Gehöres entbehren, müssen vom Mitsingen für immer ausgeschlossenwerden. Doch gehe man hierin nicht voreilig zu Werke; vielmehr ist indiesem Punkte die gröfste Behutsamkeit und das öftere Wiederanstellenvon Singversuchen mit den betreffenden Schülern dringend zu empfehlen.

a ) Man unterschätze das Einzelsingen ja nicht I Singt ein Schülereine Liedstrophe richtig und schön, so freut er sich über sein Könnenund über die ihm seitenB des Lehrers zu teil werdende Anerkennung.Letztere aber ist für andere Schüler ein Sporn, sich ebenfalls eine solchezu verdienen. Auch können falsche Tonbildungen, unschöne Laut-zusammenziehungen, unrichtiges Atemholen etc. beim Einzelgesang ambesten korrigiert werden.