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2. Der Gesangunterricht.
2. Der Gesangunterricht.
Von
P. Hufs,
Kgl. Kreisscholarch und Seminarlohrer in Bayreuth.
§ ioo.I. Notwendigkeit, Nutzen und Zweck des Gesangunterrichtes.
An der Wiege wie am Sarge des Menschen, bei freudigenwie bei traurigen Veranlassungen, auf dem Spielplatze, in derSpinnstube, beim fröhlichen Gelage, auf der Wanderung, imGotteshause, auf dem Schlachtfelde — überall singt man;überall hat der Mensch das Bedürfnis zu singen. Ein innererDrang veranlafst den Menschen an jedem Orte und in jederZone zum Singen, und dieser Drang kann und soll nichtunterdrückt werden. Ist doch auch jeder Mensch mehr oderweniger stimmbegabt, jeder in einem gewissen Mafse mit demTalente zum Singen ausgestattet. Stellt sich sonach aber derGesang, der »der Anfang und das Ende aller Musik ist underst mit dem Menschengeschlechte selbst einmal untergehenwird«, als ein unabweisbares Bedürfnis für die Menschenheraus, so erheischt deren harmonische, geistige Bildung auchden Unterricht in diesem Fache, und zwar fällt dieser Unter-richt für alle der Volksschule zu. Sie hat ihn unter ihreobligaten Lehrgegenstände aufzunehmen und mit Liebe undFleifs zu pflegen. Mit Recht sagt Palmer 1 ): »Ist die Tonkunstüberhaupt schon die populärste aller Künste, so ist unter ihreneinzelnen Formen der Gesang wieder die populärste, da auchdas ärmste Kind seine Stimme und seine zwei Ohren vomSchöpfer mitbekommen hat und das einfachste Liedchen imMunde des kleinen Kindes schon etwas Schönes, etwas Lohnen-des ist, sowie die Kunst auch die geselligste und darum fürdas Schulleben, für die Stärkung des Gemeingefühls von gröfsterethischer Bedeutung ist.«
Auch Kern 2 ) zeigt, dafs dem Gesangunterricht die Lösungeiner ästhetischen sowohl, wie auch einer sittlichen Auf-gabe zufalle, und sagt das mit folgenden Worten: »Der Ge-
>) Pädagogik S. 635.
») Kern, Pädagogik § 22.