Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
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wirst nicht mehr leiden, ich will es nicht! Ja, meinSüßer, ich werde dir eine Oase schaffen, wo du deinganzes Dichterdasein verbringen kannst, hintereinandertätig, schlaff, untätig, arbeitsam oder sinnend; abervergiß nie, daß du deine Lorbeeren mir verdankst,daß das für mich die edle Entschädigung für die Lei-den ist, die mir nicht erspart bleiben werden. Armer,teurer Freund, diese Welt wird mich so wenig schonenwie dich; sie rächt sich für alles Glück, an dem sienicht teil hat. Jawohl, man wird immer auf mich eifer-süchtig sein, hast du es nicht gestern gesehen; sind nichtdiese blutgierigen Schmeißfliegen schnell genug heran-geflogen, um sich in den Stichen vollzusaugen, die siegemacht haben? Aber ich war glücklich, ich habe gelebt!Schon so lange waren nicht mehr alle Saiten meinesHerzens widergetönt!"

Die Tränen flössen über Louisens Wangen; Lucien er-griff ihre Hand und drückte statt aller Antwort einenlangen Kuß darauf. So wurde der Eitelkeit dieses Dichtersvon dieser Frau geschmeichelt, wie es seine Mutter, seineSchwester und David getan hatten. Alle Menschen seinerUmgebung fuhren fort, das nur in der Phantasie bestehendePostament zu erhöhen, auf dem er thronte. Von aller Welt,von seinen Freunden wie von der Wut seiner Feinde, inseinen ehrgeizigen Vorstellungen bestärkt, wandelte er ineiner Luft dahin, die voll von Wahngebilden war. DiePhantasie junger Menschen ist naturgemäß so sehr derMitschuldige dieser Lobeserhebungen und dieser Ideen,alles beeilt sich so sehr, einem schönen, zukunftsreichenjungen Menschen zu dienen, daß es mehr als einer bitternund erkältenden Lektion bedarf, um solches Blendwerkzu verscheuchen.

„Meine schöne Louise, du willst also meine Beatricesein, aber eine Beatricc, die sich heben läßt?"150