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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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172 3. Der Aufsatzunterricht.

3. Der Aufsatzunterricht.

§ 53.I. Bedeutung und Aufgabe des Aufsatzunterrichtes.

Der Aufsatzunterricht ist eines der wichtigsten Volksschul-Lehrfächer.

1. Er ist eine vortreffliche Schulung des Geistes;denn er übt den Schüler unter Inanspruchnahme von Interesseund Selbstthätigkeit im folgerichtigen Aufbau und in derkorrekten Darstellung von Sprachganzen und führt ihn dadurchplanmäfsig zu Gewandtheit, Vielseitigkeit und Sicherheit imGedankenausdruck.

2. Er ist zugleich ein Mittel zur Befestigung, Er-weiterung und Anwendung der erworbenen Kennt-nisse. Er setzt sichere Beherrschung des aus dem Lese- undSachunterricht geschöpften Wissens voraus und mehrt diesesdadurch, dafs er bekannte Dinge und Vorgänge nicht seltenaus neuen Gesichtspunkten betrachtet. Er verlangt eine be-ständige Verwertung dessen, was Schön-, Rechtschreiben undGrammatik lehren, so dafs diese als seine Hilfsfächer zu be-trachten sind. Durch die Pflege der Briefform und der Ge-schäftsaufsätze endlich ist er eine unmittelbare Vorbereitungfür das Leben.

In ihm gipfeln also nicht allein die Erfolge des Sprach-unterrichtes, sondern auch der gesamten Schulthätigkeit. Ergilt daher als die »Krone« des Schulunterrichtes und die Aufsatz-hefte werden mit Recht als das »Gesicht der Schule« bezeichnet.

Ziel des Aufsatzunterrichtes ist es, den Schüler zubefähigen, dafs er Gedanken, welche die Schule und dasLeben in ihm bildet, richtig und gefällig schriftlich ausdrückt.

§

54.

II. Stoffe und Formen der Aufsätze.

1. Der Aufsatzunterricht schöpft seine Stoffea) aus wirklichen oder angenommenen Ereignissen undErlebnissen aus dem kindlichen Erfahrungskreise,d. i. aus dem Elternhause, dem Heimatorte, der heimatlichen