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2. Die LeBebuchstufe.
3. Gegen die Wende des Jahrhunderts trat die belehrendeAbsicht, welche die sogenannten gemeinnützigen Lesebücherschuf, mehr in den Vordergrund. Natur- und weltkundliche Kennt-nisse, Gesundheits- und Nahrungsmittellehre, Kalender- und Gesetzes-kunde, Briefe und Geschäftsaufsätze bildeten nun den Hauptinhaltder Lesebücher, von denen als am meisten gebrauchte der »branden-burgische Kinderfreund« von Wilmsen (1800) und der »Denkfreund«von J. P, Schlez (1811) genannt seien.
4. Diese Art von Lesebüchern wuchs in den ersten Jahrzehntendes neunzehnten Jahrhunderts zu trockenen Realienkompendien aus,so dafs man Kenntnisse, die anschaulich, frei und mündlich zugeben sind, nur aus Büchern schöpfen liefs. Die Bestrebungen,welche sich dagegen geltend machten, führten zur Richtung derSprach-LeseMcher. Das Lesebuch sollte nunmehr ein Hilfsmittelzur Erlernung des verständigen und ausdrucksvollen Lesens, zugleichaber auch eine praktische Grammatik und Logik und ein Leitfadenfür die Rechtschreib- und Aufsatzübungen sein. Diesterwegs»Lese- und Sprachbuch« (1843), sowie die in Bayern einst viel ver-breiteten »Lese- und Sprachbücher« von Heinisch und Ludwiggehörten dieser grammatisierenden Richtung an.
5. Die Entwicklung der Lesebuchfrage zu ihrem heutigenStandpunkte hat das frühere Gute nicht übersehen, aber sichvor Einseitigkeit zu wahren gewufst. Gemüt und Wille derKinder sollen gebildet werden, ohne dal's die moralische Ab-sicht aufdringlich hervortritt. Auf Vollständigkeit der realenStoffe wird verzichtet; dagegen sucht man durch gute Aus-wahl der Lesestücke den Realienunterricht zu unterstützenund zu beleben und das nationale Gefühl zu pflegen. Stattdurch Satzreihen und Lesestücke, welche bestimmten Sprach-und Leseregeln auf den Leib geschnitten sind, die sprachlichenZiele zu fördern, will man dadurch, dafs nach Inhalt undForm nur Mustergültiges aufgenommen wird, Sprachgefühl und-fertigkeit bilden. Von dem Grundsatze, dafs das ganze Lese-buch von einem Verfasser herrühren soll, ist man abge-kommen und bietet eine Auswahl des Besten aus der volks-tümlich-klassischen Literatur. Eines der ersten Bücher dieserArt ist das treffliche »Deutsche Lesebuch« von PhilippWackernagel (1843).