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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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§ 40. IV. Geschichte des Anschauungsunterrichtes.

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Dieser anfangs von Montaigne, Bacon von Verulamund John Locke nur für die Wissenschaft fruchtbar gemachteGedanke fand die erste Verwertung in der Elementarschuledurch Arnos Comenius (15921670). Dieser erleuchtete Päda-goge betonte nicht nur den Nutzen der Anschauung im allgemeinen,sondern forderte auch den Anschauungsunterricht als eigenen Lehr-gegenstand zum Zwecke der Sinnesübung.

Aufser seinen theoretischen Darlegungen gab er auch eineAnleitung und ein Mittel zum Betriebe des Unterrichtes in seinemberühmten Bilderwerke orbis sensualium pictus (die sichtbareWelt) 1657, dem Vorläufer aller späteren Bilderbücher. Dochfanden seine Bestrebungen vorerst keine weitere Nachahmung; nurin den Anstalten A. H. Franckes (16681727) zu Halle wurdensie praktisch ausgeführt.

J. J. Rousseaus (17121778) Wirksamkeit, insbesonderesein Kampf gegen die blofse Wort- und Vielwisserei, lenkte die Auf-merksamkeit der pädagogischen Welt neuerdings und mit mehrErfolg auf das Bedürfnis eines anschaulichen Sachunterrichtes. Diedeutschen Philanthropen, so Basedow (17231790) und Salzmann(17441811), setzten in ihren Anstalten Rousseaus Theorien indie Praxis um. Nach und nach fand die junge Disziplin inmanchen Schulen Eingang, in Norddeutschland hauptsächlich durchE. von Rochows (17341805) segensreiche Thätigkeit; abererst durch den Einfmfs Pestalozzis (17461827) war ihr imKampfe mit dem hergebrachten Verbalismus der endliche Sieg be-schieden.

2. In seinem Werke: »Wie Gertrud ihre Kinder lehrt«(1801) stellt Pestalozzi die Anschauung als das absoluteFundament allerErkenntnis fest. »Der Kreis der kindlichenAnschauungen soll erweitert, die zum Bewußtsein gebrachte An-schauung soll bestimmt, sicher und unverwirrt eingeprägt und füralles, was Natur und Kunst zum Bewufstsein gebracht hat und zumTeil zum Bewufstsein bringen soll, umfassende Sprachkenntnisgegeben werden.« Wie sehr nun Pestalozzi in diesem Punktedas Richtige getroffen, so irrte er doch in der praktischen Be-thätigung seiner Gedanken. Von einem falschen Einteilungsprinzipausgehend, kam er zu dem irrtümlichen Schlüsse, dafs Zahl, Formund Sprache die drei Elementarmittel alles Unterrichts seien.Dies führte notwendig zu einer Begünstigung von Formen undZeichen und zu einer Verkümmerung des Sachunterrichtes. Zu-dem zeigte er die Anwendung der drei Mittel an zwei der kind-lichen Auffassung fern liegenden Stoffen, dem menschlichen