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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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A. U. Von der Methode des Unterrichts.

an Einzelfällen zu erproben hat. Die Übung erfolgt durchNacherzählen, Einprägen der Keinen nach verschiedener Richtung,Einlesen, Nachbilden, Rechnen und Messen. Aufgaben der vor-genannten Art sind: zu einer sprachlichen Form die Regel, zu einerphysischen Erscheinung das Gesetz, zu einer Handlungsweise dieethische Norm aufzusuchen, oder umgekehrt zu einer sprachlichenoder mathematischen Regel Beispiele anzugeben, mathematischeoder physikalische Gesetze auf spezielle Fälle anzuwenden, einefingierte Reise zu unternehmen, nach allgemeinen Gesichtspunktenmenschliche Handlungen zu beurteilen, kurz das Wissen in dasKönnen umzusetzen.

Ziller verlangt auch, dafs der Schüler sich durch seine Phantasiein andere Lagen zu versetzen im stände sein und durch phantasiertesHandeln über die Beschränktheit und Einseitigkeit des wirklichenHandelns hinaus kommen müsse. Das phantasierte Handeln ist abernicht unbedenklich, führt leicht zu Phantastereien und zu schlimmenEnttäuschungen. — Noch sei darauf hingewiesen, dafs die unerläfslicheStufe der Anwendung manchmal nur als "Übung, ein andermal nur alsAufgabe und in beiden Formen oft schon bei der Stufe der Darbietungauftritt. Die Fertigkeiten zumal umfassen in der Hauptsache oft nur dieStufen der Auffassung und Übung.

Nach dem vorausgehenden ergibt sich für die »fünf for-malen Stufen« folgendes Schema:

1. Stufe: Vorbereitung (Analyse). Zergliederung der schonvorhandenen verwandten Vorstellungen und Kenntnisse.

2. Stufe: Darbietung (Synthese). Darreichen und Aneignendes Neuen.

3. Stufe: Verknüpfung (Assoziation). Verknüpfung desNeuen unter sich und mit dem bereits Bekannten; Ver-gleichung, Unterscheidung.

4. Stufe: Zusammenfassung (System). Vereinigung dergewonnenen Resultate zu einem geordneten Ganzen, Ein-ordnen in die Begriffsreihe, Gewinnung von Gesetz undRegel.

5. Stufe: An wendung (Methode). Einübung des Wissensund Umsetzung des letzteren in das Können.

Anmerkung. Die >fünf formalen Stufen« haben zwar eine grofseVerbreitung gefunden, werden aber auch noch heftig angefochten. Dieserklärt sich aus dem Umstände, dafs man verlangt, sie ausnahmslos undgleichermafsen auf alle Lehrgegenstände anzuwenden, obgleich sie sichfür die einen (realistische und historische Fächer) mehr, für die andern(Fertigkeiten) aber weniger eignen. Das Richtige der Formalstufen(deren psychologische Begründung durch Ziller und Kein alle Anerkennungverdient) darf aber nicht unterschätzt werden. Beachtenswert erscheintin dieser Beziehung das Urteil dos Seminardirektors Leutz, das er inseinem >Lehrbuch der Erziehung und des Unterrichts« (II. Teil, Vorrede)ausspricht: >Man mag immerhin den Formalstufen den Vorwurf machen,dafs sie eine Schablone seien, der Lehrer müsse sich im Unterricht frei