Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
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Boileau besingt; aber bei näherer Prüfung entdeckte manm den Falten der aufgeworfenen Lippen, im Grübchen des■Kinns, im Schnitt einer breiten Nase, deren eine Hälfte wieschief gedrückt war, und vor allem in den Augen das un-ausgesetzte Feuer einer ausschließlichen Leidenschaft, dieSchärfe des Denkers, die glühende Melancholie eines Geistes,der die ganze Weite und alle Tiefen des Horizonts umfaßtell ud durchdrang, und der selbst der idealsten Genüsse leichtmüde wurde, weil er die Klarheit der Analyse mit hinein-nahm. Man ahnte in diesem Gesicht das Aufblitzen desGenies, aber man sah auch die Asche um den Vulkan; dieHoffnung erlosch in diesem Antlitz in einer tiefen Emp-findung der sozialen Nichtigkeit, in der die niedrige Ab-stammung und das mangelnde Vermögen so viele Geisterhöherer Art festhalten. Neben diesem armen Buchdrucker,dem sein Beruf, der doch der Intelligenz so benachbartist, Ekel einflößte, neben diesem Silen, der so schwer aufsich selbst ruhte, der in langen Zügen aus dem Becher derWissenschaft und der Dichtung schlürfte und sich daranberauschte, um das Elend des Lebens in der Provinz zuvergessen, neben diesem Silen saß Lucien in der anmutigenHaltung, wie sie die Bildhauer für den indischen Bacchusgefunden haben. Sein Gesicht hatte die Feinheit dermien der antiken Schönheit: griechische Stirn und Nase,die weiße Farbe und den Schmelz der Frauen, Augen, dieu rch ihre tiefe Bläue schwarz erschienen, Augen vollerlebe, in denen das Weiß so glänzend war wie bei einem^Jnde. Über diesen schönen Augen wölbten sich Brauen,ie wie mit einem feinen chinesischen Pinsel gezeichnetwaren, und lange kastanienbraune Wimpern beschattetensie. Die Wangen erglänzten von seidigem Flaum, dessen^arbe mit dem Blond der natürlich gelockten Haare über-einstimmte. Seine weißen Schläfen waren goldig über-sieht. Ein unvergleichlicher Adel prägte sich in seinem

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