nicht einen unnützen Prozeß anstrenge. Sie haben abermeinen Brief vom 10. Mai d. J. nicht beantwortet. Siekönnen es mir daher nicht verdenken, wenn ich die un-verzügliche Bezahlung der drei Wechsel und aller meiner
Unkosten verlange.
Hochachtungsvoll
Motivier."
Eva, die nicht viel von Handelsrecht verstand, hatte,da sie nichts mehr von der Sache hörte, geglaubt, ihrBruder hätte sein Verbrechen wieder gutgemacht und diegefälschten Wechsel bezahlt.
„Lieber," sagte sie zu ihrem Mann, „geh schnell zuPetit-Claud, erkläre ihm unsere Lage und bitte ihn umseinen Rat."
„Lieber Freund," sagte der arme Drucker, als er in demBureau seines Schulkameraden stand, zu dem er sofortgeeilt war, „als du mir sagtest, du hättest dich als Anwaltniedergelassen, und mir deine Dienste anbotest, hätte ichnicht gedacht, daß ich sie so bald brauchen könnte."
Petit-Claud betrachtete das schöne Gesicht des Denkers,der da auf dem Stuhl vor ihm saß, denn er hörte nichtallzusehr auf die Einzelheiten der Geschäfte, von denener mehr wußte als der Mann, der sie ihm erklärte. Alser Sechard mit sorgenvoller Miene hatte eintreten sehen,hatte er sich gesagt: Der Streich ist gelungen.
Diese Szene spielt sich oft genug in den Anwaltsbureausab. ,Warum verfolgen ihn die Cointet?' fragte sich Petit-Claud. Der Geist der Anwälte ist so beschaffen, daß sieebensowohl in die Seele ihrer Klienten wie in die derGegner eindringen müssen: sie müssen die Rückseite desjuridischen Gewebes ebensowohl kennen wie die Vorder-seite.
,,Du willst Zeit gewinnen," antwortete Petit-Claud end-lich Sechard, als dieser fertig war. „Wie lange brauchst
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