Die Krankheit über den Menschen oder der Mensch überdie Krankheit? Man muß ein großer Mensch sein, umden Ausgleich zwischen seinem Genie und seinem Charak-ter zu finden. Das Talent wächst, das Herz schrumpftein. Wenn man nicht ein Koloß ist, wenn man nichtdie Schultern des Herkules hat, bleibt man entwederohne Herz oder ohne Talent zurück. Sie sind zart undschwächlich, Sie werden unterliegen," fügte er hinzu undging in das Wirtshaus.
Lucien dachte auf dem Weg nach Hause über diesenschrecklichen Urteilsspruch nach, dessen tiefe Wahrheitihm über das literarische Leben Licht gab.
,Geld!' rief eine Stimme in ihm.
Er verfertigte selbst drei Wechsel über je tausend Fran-ken auf ein, zwei und drei Monate Ziel an seine Order, aufdenen er mit erstaunlicher Vollendung die Unterschrift Da-vid Sechards nachahmte; er indossierte sie und brachte siedann am Tage darauf zu Motivier, dem Papierhändler in derRue Serpente, der sie ihm ohne jede Schwierigkeit diskon-tierte. Lucien schrieb seinem Schwager einige Zeilen, umihn von diesem Angriff auf seine Kasse zu benachrichtigen,und versprach ihm, wie es üblich ist, am Verfalltag für dieEinlösung zu sorgen. Die Schulden Coralies und Lucienswurden bezahlt, es blieben dreihundert Franken, die derDichter Berenice übergab. Dabei sagte er ihr, sie sollteihm nichts geben, wenn er Geld verlangte: er fürchtete, vonder Spielleidenschaft gepackt zu werden. Lucien, der voneiner düstern, kalten und schweigenden Wut beseelt war,schrieb, während er bei Coralie wachte, beim Schein einerLampe seine geistvollsten Artikel. Wenn er aufblickte, umnachzudenken, sah er dieses geliebte Weib, das blaß wie ausPorzellan war, das die Schönheit der Sterbenden hatte, dasihm mit zwei blassen Lippen zulächelte und ihn mit gro-ßen, glänzenden Augen ansah, wie sie die Frauen haben,
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