Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
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Eines Morgens las Luden in demselben Blatt, in demer so glänzend debütiert hatte, die folgenden Zeilen, dieeinzig und allein für ihn geschrieben schienen, denn dasPublikum konnte die Bosheit kaum verstehen:

„*** Wenn der Verleger Dauriat fortfährt, die Sonettedes künftigen französischen Petrarca nicht zu drucken,werden wir zeigen, daß wir edelmütige Feinde sind, undwerden diesen Gedichten unsere Spalten öffnen. Nachdem folgenden zu urteilen, das uns ein Freund des Dichtersmitteilt, scheinen sie ja sehr pikant zu sein."

Unter dieser schrecklichen Ankündigung las der Dichterdas folgende Sonett, über das er heiße Tränen vergoß:

Auf einem Beet in voller Blüte sproß

Ein Pflänzlein kümmerlich und zweifelhaft,

Das sich gebärdete, als ob sein Schaft

Ein Wunder künft'ger Farbenpracht umschloß.

So ließ man es denn stehn! Doch bald verdroßSein Üppigtun mit aufgeblähter KraftDie stolzen Schwestern, die ihm Raum verschafft,Und alle harrten, daß es sich erschloß.

Da blühte es. Doch nie ward ein PatronSo überschüttet mit Gespött und Hohn,Als man verlachte das gemeine Kraut.

Bald ward es ausgerissen, wie es Brauch,Ein Esel schrie auf seinem Grabe laut,Denn es war wirklich nur ein Distelstrauch 1 ).

Vernou sprach von der Spielleidenschaft Luciens undmachte im voraus darauf aufmerksam, sein Roman, der,Bogenschütze', werde ein vaterlandsfeindliches Werk sein,in dem der Verfasser die Partei der katholischen Massen-mörder gegen die kalvinistischen Opfer nähme. Im Laufe

') Distel aber heißt auf ranzösisch .chardon', und so lautetauch im Original der Schlußreim des Spottgedichts, so daß derKäme des Opfers den Kundigen preisgegeben war.

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