KURFÜRST JACOB VON TRIER 1567 — 1581. 267
Wenn je ein Kurfürst von Trier unter schweren Um-stünden den Stall empfing, so war dieses bei Jacob der Fall. ,0 )Derselbe wurde zwar in der ganzen Diözese im ersten Jahreseiner Regierung mit grossen Ehrenbezeugungen in Freudeund Frohlocken empfangen und wurde bei der I [uldigungmit Geschenken von den Unterthanen bedacht, das Verhältnissder Stadt Trier zu seinem Vorgänger Johann VI blieb aberund ging auf ihn über. Der grösste Theil des Kurstaatswar zerrüttet, die Finanzen schlecht geordnet und über-schuldet, die Calvinisten und Lutheraner bedrohten von allenSeiten her aus der Niederlande, Pfalz, Hessen, Jülich, Schiei-den, Wetzlar, Dillenburg, Zweibrücken, Veldenz und Trar-bach her die Grenzen des Kurstaats, um ihren Wirkungs-kreis auf Kosten desselben zu vergrössern, andre hatten sichbereits, wie in Trier und in anderen Theilen des Landes fest-gesetzt, da alle bände des Gehorsams aus Mangel des ge-hörigen Nachdrucks Seitens des < »berhauptes erschlafft war.Der Wiener Hof dachte nicht an Widerstand gegen dieseStrömungen und ein Mann, der sich gegen Letztere aut-lehnen wollte, konnte sicher sein, von Wien keinen Nach-schub erhalten zu können. Die Regierung der Niederlandeals angrenzendes Gebiet war gänzlich versunken und hattesich in die; Regierung einzelner Gebiete mit deren Sonder-zwecke aufgelöst, war somit nur nominell vorhanden undAbhülfe auch hier nicht zu hoffen. So stand Jacob beiBeginn seiner Regierung völlig hilflos und allein,' wenn erden Kampf mit der Zerrüttung und den Gegnern aufnehmen,oder wenn er nachgiebig sich von den Gegnern überwältigenlassen wollte ohne Rächer. Jacob war aber trotz der ihmangerühmten Milde und Demuth nicht der Mann, der sich