»Lieber," sagte die Schauspielerin, „wir wollen beideinem Schneider vorfahren und darauf dringen, daß dudeinen Anzug bekommst, oder du kannst ihn gleich pro-peren, wenn er so weit ist. Wenn du zu deinen vornehmenDamen gehst, will ich, daß du diesen gräßlichen Marsay,den kleinen Rastignac, die Ajuda-Pinto, die Maxime deBrailles, die Vandenesse, kurz all diese Stutzer ausstichst.Denk daran, daß Coralie deine Geliebte ist! Aber du wirstmir doch keine Streiche machen, was?"
Zwei Tage später, am Tage vor dem Souper, das Lucienu nd Coralie ihren Freunden gaben, wurde im Ambigu einneues Stück aufgeführt, über das Lucien berichten sollte.Nach ihrem Diner gingen Lucien und Coralie zu Fuß überden Boulevard du Temple, auf der Seite des Türkischen^afes, die damals bei den Spaziergängern beliebt war, vonder Rue de Vendome nach dem Panorama Dramatique. Lu-cien hörte, wie man sein Glück und die Schönheit seiner Ge-hebten pries. Die einen nannten Coralie die schönste Frauv °n Paris, die andern fanden, Lucien verdiene sie. DerDichter fühlte sich in seinem Element. Das war sein Leben,•kr dachte kaum mehr an den Zirkel seiner früheren Freunde,^r fragte sich, ob diese großen Geister, die er noch vor zweiMonaten so sehr bewundert hatte, mit ihren Ideen undl hrem Puritanismus nicht ein wenig albern wären. Das'»ort Gimpel, das Coralie so unbekümmert ausgesprochenhatte, war im Geiste Luciens aufgegangen und trug schonseine Früchte. Er brachte Coralie in ihr AnkleidezimmerUnd spazierte dann wie ein Sultan hinter den Kulissen aufhöd ab, und alle Schauspielerinnen umschmeichelten ihnmi t ihren brennenden Blicken und freundlichen Worten.
>,Ich muß ins Ambigu gehen und mein Handwerk ver-richten," sagte er.
Im Ambigu war der Zuschauerraum besetzt. Es fandsich kein Platz mehr für Lucien. Lucien ging auf die