Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
38
Einzelbild herunterladen
 

Literatur unserer Zeit, wenn er andere Bahnen einschlägt,noch schöne Werke zu verdanken haben werde."

Lucien war aufs höchste betroffen, während er Lou-steau zuhörte; bei den Worten des Journalisten fiel es ihmwie Schuppen von den Augen, er vernahm literarischeWahrheiten, von denen er noch nie etwas geahnt hatte.

„Aber was du da sagst," rief er, „ist sehr begründet undrichtig." „Könntest du ohne das Nathans Buch zusammen-hauen?" sagte Lousteau. „Das, mein Lieber, ist das ersteBeispiel eines Artikels, mit dem man ein Werk vernichtenwill: die Spitzhacke der Kritik. Aber es gibt sehr vieleandere Formen! Du wirst schon weitergebildet werden.Wenn du unbedingt genötigt bist, über einen Mann zuschreiben, den du nicht magst, denn manchmal tut es derBesitzer oder der Chefredakteur eines Blattes nicht anders,dann bedienst du dich für deine negativen Absichten derGründlichkeit. Als Überschrift des Artikels setzest du denTitel des Buches, mit dem du dich zwangsweise beschäf-tigen mußt; du beginnst mit allgemeinen Betrachtungen,sprichst von den Griechen und Römern und sagst zuletzt:.Diese Betrachtungen führen uns zu dem Buch des HerrnSoundso, von dem in einem zweiten Artikel die Rede seinwird.' Und der zweite Artikel erscheint nie. Man ersticktso das Buch zwischen zwei Besprechungen. Diesmal aberhandelt es sich nicht um einen Artikel gegen Nathan, son-dern gegen Dauriat; du mußt also die Hacke benutzen.Einem schönen Buche schadet die Hacke nichts, währendsie einem schlechten bis ins Herz dringt; im ersten Fall ver-letzt sie nur den Verleger, im zweiten erweist sie dem Pu-blikum einen Dienst. Diese Formen der literarischen Kri-tik werden in derselben Weise in der Politik angewandt."

Die grausame Lektion, die Etienne ihm gab, öffnetein der Phantasie Luciens, der dieses Handwerk sehr gutbegriff, ganz neue Fächer.

38