Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
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den Freundeskreis verließ, peinigte ihn sein Gewissen, dasihm zurief: ,Du wirst Journalist!' wie die Hexe Macbethzuruft: ,Du wirst König!' Auf der Straße blickte er nocheinmal nach den Fenstern des geduldigen d'Arthez, dievon einem schwachen Licht erleuchtet waren, und ging mittraurigem Herzen und gequälter Seele nach Hause. EineArt Vorahnung sagte ihm, daß seine wahren Freunde ihnzum letztenmal ans Herz gedrückt hatten. Als er überdie Place de la Sorbonne in die Rue de Cluny ging, sah erdie Equipage Coralies. Die Schauspielerin war vom Boule-vard du Temple bis zur Sorbonne gefahren, um ihrenDichter einen Augenblick zu besuchen und ihm rasch gutenAbend zu sagen. Lucien fand seine Geliebte ganz in Tränenüber den Anblick seiner Dachkammer, sie wollte arm seinwie ihr Geliebter, sie weinte, während sie die Hemden,Handschuhe, Halsbinden und Taschentücher in seinerelenden Kommode ordnete. Diese Verzweiflung war soaufrichtig und so groß, sie sprach von so viel Liebe, daßLucien, dem man vorgeworfen hatte, eine Schauspielerinzu lieben, in Coralie eine Heilige sah, die bereit war, dashärene Hemd der Armut zu tragen. Um kommen zu können,hatte das entzückende Geschöpf den Vorwand genommen,ihrem Freund die Mitteilung zu machen, daß die Gesell-schaft Camusot, Coralie und Lucien sich bei der Gesell-schaft Matifat, Florine und Lousteau für ihr Souper re-vanchierte, und Lucien zu fragen, ob er eine Einladungvorschlagen wollte, die ihm nützlich wäre; Lucien ant-wortete ihr, er würde darüber mit Lousteau sprechen. DieSchauspielerin ging nach einigen Augenblicken wieder,ohne Lucien mitzuteilen, daß Camusot sie unten erwartete.Am nächsten Morgen ging Lucien schon um acht Uhr zuEtienne, fand ihn nicht und eilte zu Florine. Der Jour-nalist und die Schauspielerin empfingen ihren Freund indem hübschen Schlafzimmer, in dem sie sich wie ein

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