Pferde gezogen wurde, und neben dir saß Coralic, dieaussieht wie die Geliebte eines Fürsten." „Und", sagteLucien, „was ist Schlimmes daran?" „Du sagst das, alsob Schlimmes daran wäre," rief Bianchon entgegen. „Ichhätte für Lucien eine Beatrice gewünscht," sagte d'Arthez,„eine edle Frau, die ihn im Leben gestützt hätte ..."„Aber, Daniel, gleicht die Liebe nicht überall sich selbst?"fragte der Dichter. „Oh!" rief der Republikaner, „darin binich Aristokrat. Ich könnte keine Frau lieben, die ein Schau-spieler vor dem Publikum auf die Wange küßt, die in denKulissen geduzt wird, die sich vor einem Parterre erniedrigtund ihm zulächelt, vor ihm tanzt, die Röcke hochhebt undsich als Mann kleidet, um zu zeigen, was ich allein sehenwill. Oder wenigstens, wenn ich eine solche Frau liebte,müßte sie das Theater verlassen, ich würde sie mit mei-ner Liebe reinigen." „Und wenn sie das Theater nicht ver-lassen könnte?" „Dann käme ich vor Kummer, vor Eifer-sucht, vor tausend Leiden fast um. Man kann die Liebenicht, wie man einen Zahn zieht, aus dem Herzen reißen."
Lucien wurde ernst und nachdenklich. ,Wenn sie hören,daß ich mir Camusot gefallen lasse, werden sie mich ver-achten,' sagte er sich.
„Weißt du," sagte der Republikaner in schrecklichgutmütigem Tone zu ihm, „vielleicht wirst du ein großerSchriftsteller, aber du wirst nie etwas anderes sein als einkleiner Possenreißer."
Er nahm seinen Hut und ging.
„Recht hart ist Michel Chrestien," sagte der Dichter.„Hart und heilsam wie die Zange des Zahnarztes," er-widerte Bianchon. „Michel sieht deine Zukunft voraus,und vielleicht weint er in diesem Augenblick auf derStraße um dich."
D'Arthez war milde und trostreich, er versuchte, Lucienwieder aufzurichten. Als der Dichter nach einer Stunde