Druckschrift 
2 (1909)
Entstehung
Seite
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ALS Lucien die schmutzige und übelriechende Treppeseines Hauses hinaufging, als seine Tür knarrte,als er den unsaubern Fußboden und den arm-seligen Kamin seines kahlen, ärmlichen Zimmers wieder-sah, flößte ihm der Gegensatz zu der Umgebung, ausder er kam, Gefühle ein, die ihm jeder nachempfindenkann, der nicht Diogenes ist. Auf dem Tisch fand er dasManuskript seines Romans und folgende Zeilen vonDaniel d'Arthez:

Unsere Freunde sind mit Ihrem Werk fast völlig zu-frieden, lieber Dichter. Sie können es, sagen sie, mit vielVertrauen Ihren Freunden und Ihren Feinden vorlegen.Wir haben Ihren reizenden Artikel über das Panorama Dra-matique gelesen, und Sie müssen bei den Literaten eben-soviel Neid erregen wie Bedauern bei uns. Daniel."

,Bedauern! Was meint er damit?' rief Lucien, der vondem höflichen Ton des Briefchens überrascht war.

War er denn für den Freundeskreis ein Fremder ge-worden? Nachdem er von den wunderbaren Früchten ge-kostet hatte, die ihm die Eva der Kulissenwelt gereichthatte, lag ihm noch mehr an der Achtung und Zuneigungseiner Freunde aus der Rue des Quatre-Vents. Er bliebein paar Augenblicke in Nachdenken versunken; er dachteüber sein gegenwärtiges Leben in diesem Zimmer und seineZukunft in dem Coralies nach. Sein Sinnen ging zwischender Ehre und der Schande hin und her, und schließlichsetzte er sich und sah nach, in welchem Zustande ihmseine Freunde sein Werk zurückgaben. Wie groß war seinStaunen! Von Kapitel zu Kapitel hatte die geschickte undhingebende Feder dieser noch unbekannten großen Männerseine Kümmerlichkeiten in Schätze verwandelt. Ein reicher,gedrängter, starker Dialog war an die Stelle seiner Ge-spräche getreten, die, wie er jetzt einsah, im Vergleich mit

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