Mai 1555. 1213
Zu n. Der Vortrag des französischcu Gesandte» geht dahin: 1. Nachdem der König von Frankreichseit einiger Zeit ersucht worden sei, sich in einen Friedenstractat einzulassen, habe er, als alter christlicherFürst, der nichts anderes begehre als die Ruhe der Christenheit, zwei Gesandte, nämlich den Cardinal vonLothringen und den Connetable nach Andres abgeschickt, woselbst sie am 18. oder 2V. dieses Monatsangekommen sein werden, und wo auch Verordnete des Kaisers eintreffen sollen. Wenn der Friede zustande-komme, werden auch die Eidgenossen, als die vertrautesten und besten Freunde und Bundesgenossen desKönigs, in denselben eingeschlossen werden. Da der König aber keinen Frieden eingehen wolle, der nur eineVerschiebung eines weiter» Krieges wäre, sondern nur einen ewigen und beständigen Frieden herbeizuführenbegehre, so gedenke er seine Gewalt und Macht dieses Jahr so gut und besser als in den frühern JahrenZu bestellen. Zu diesem Ende habe der König dem Gesandte» aufgetragen, die Eidgenossen, gemäß eineman diese selbst gerichteten Schreiben, um einen Aufbruch von 10,900 Mann gemäß der Vereinnng anzugehe»,diese zu gebrauchen, falls der König ihrer bedürfte, in Gcii!äßhcit des genannten Tractates. Dabei sollensich aber weder die Hauptleute noch andere Kriegslcute mit Reisen Kosten verursachen, bis der Gesandteneuerdings berichte, was wohl bald der Fall sein werde. 2. Der König habe die Neutralität mit denAugstthalern, welche unter König Franz errichtet und seither gehalten worden sei, erneuert. Nicht minderhabe der König die Augstthaler auf ihr Begehren in seinen Schutz und Schirm genommen. Die Augstthalerhaben einige Besorgnis; gehabt, die Eidgenossen möchten in ihrem Lande etwas unternehmen. Obwohl dieseFurcht nach der Meinung des Königs grundlos sei, hätten die Augstthaler ihn doch gebeten, sich diesfallsmit den Eidgenossen ins Vernehmen zu setzen und sie anzugehen, vermöge des Friedens und der Vereinungnichts gegen ihr Land, das der König in seinen Schirm genommen habe, und daher zu beschirmen pflichtigsei, vorzunehmen. Dieses Begehren habe der König nicht abschlagen wollen, und bitte daher zu Gefallenund zur Genugthunng der Augstthaler die Eidgenossen um freundliche Antwort. 3. Folgt der im Texterwähnte Bericht über die Weigerung der Annahme der Münze in dem Werth, den sie im Piemont hat.Der Vortrag fährt dann fort, nachdem den Hauptleuten ernstlich vorgehalten worden sei, wie die Vereinungetwas Anderes vorschreibe und bei ihrem Verlangen der König unbillig in große Kosten und die Hauptlentezu Gewinn kämen, so hätten sich letztere entschlossen, dem König zu willfahren. Um aber für die Zukunftsolchem vorzukommen und damit niemand mit der Bezahlung hingehalten werde, was jetzt einzig in Folgedes erzählten Vorganges vorgekommen sei, bitte der König freundlich, man möge hinschreiben, daß die Leutebei der gcthanen Vcrwilligung verharren, wie denn auch Kricgsleutc ans andern Nationen, die daselbst sind,keine bezüglichen Weigerungen erheben. 4. Es folgt die unter Art. 4 angeführte Antwort des Gesandten vonFrankreich betreffend die Erneuerung der Neutralität mit der Grafschaft Burgund. Es wird das Verlangenbeigefügt, wenn der Gesandte von Burgund in Betreff der Einverleibung von Baffigm; nicht entsprechenwolle, mögen sich die Eidgenossen diesfalls an den Gubernator von Burgund wenden. 5. Der Tresorierwerde bald zu Solothuru ankommen; es mögen daher die Boten der Eidgenossen zu Ende dieser Woche sichdahin begeben, wo sie den Tresorier nebst dem Geld antreffen werden.
St. A. Luccrn: Allgel». Abschiede H, S. IIS, ohne Datum. — St. A. Zürich: Abschiede Bd. i», k. 299. — St. A. Bern: Allgcin. eidge».Abschiede Hb', S. 473, zwischen dem Abschied vom 11. März und 7. Mai 15SS. — K. A. Zug: Abschiede Band 2. — A. A. GlaruS:Abschiede. — K. A. Basel: Abschiede IbSö—1333. — K. A. Frciburg: Badischc Abschiede Bd. Iii. — K. A. Solothnrn: Abschiede Bd. 34.
Zu diesem Artikel nimmt das Glarner Exemplar aus dem Vortrag des französischen Gesandten denletzten Satz von Ziffer 1 auf, der dann in der Glarner Abschrift des Vortrages fehlt.
Zu v 1. Vortrag des Ascanius Marsus. Nachdem er vernommen habe, wie der König von Frankreichvon den Eidgenossen 10,000 Knechte verlange, so wolle er im Namen des Kaisers, des Königs von Englandund der Gubernatoren von Mailand die Eidgenossen aufmerksam machen, daß die Knechte allerdings inGemäßheit der Vereinung begehrt werden, daß aber bekannt sei, wie der König dieselben in den letztenJahren nichtsdestoweniger Wider die Lande und Herrschaften des Kaisers und des römischen Reiches gebrauchthabe. Deßwegen sollten die Eidgenossen dem König keine Knechte erlauben und nicht gestatten, daß ihm