710 Juni 1536.
niemand zulaufen zu lassen; es hätte gern gesehen, wenn die andern Orte dasselbe gethan und sich niemandsbeladen hätten, was aber leider bisher zu großem Nachtheil der Eidgenossenschaft nicht erreichbar gewesen.Nun dringe der Kaiser zum ernstlichsten darauf, daß man unparteiisch bleibe, so daß man jetzt den bestenAnlaß dazu hätte; Zürich bitte nun dringlich, daß man bedenke, was daran gelegen sei, und namentlich, daßman nicht so bald wieder zu solcher „unpartyschung und neutralitet" kommen dürfte; daß man also denAugenblick benutze, keinem Theil Vorschub leiste, die weggelaufenen Knechte Heimrufe und des Vaterlandes warte,das sonst den Unwillen des Kaisers zu fühlen Hütte. Man sage wohl, der König möchte sich rächen, denkeaber nicht, daß uns auch der Kaiser zu schwer werden möchte; hielte man sich aber unparteiisch, so würdekeiner Ursache zu einem Angriff gewinnen; wenn sie aber muthwillig und mit Gewalt die Eidgenossen an-fechten wollten, so würde Gott sie gewiß nicht verlassen. Man möge erwägen, daß Alles, was Zürich früherund jetzt den andern Orten zumuthe, aus einem aufrichtigen Herzen komme; denn sein Glück oder Unfall seiauch der Eidgenossen Wohlfahrt oder Unglück; darum bitte es zum höchsten, daß wir uns dieser gefährlichenSachen, die uns gewiß mit der Zeit um Freiheit, Land und Leute bringen würden, cntschlagen und für daseigene Land sorgen; daraus würde zuversichtlich Glück und Heil erwachsen. Zürich sei daher unerschütterlichentschlossen, sich keines Theils anzunehmen und niemand Durchzug zu gestatten. Es sei deßwegen gar nichtnöthig, mit dem Kaiser sich weiter einzulassen, da die Verträge deutlich genug seien; es handle sich nur umgetreue Vollziehung :c. I». Nachdem die zehu Orte an Bern das schriftliche Ansuchen gestellt, den aus andernGebieten allfällig Aufbrechenden Stadt und Land zu verschließen und sie zurück zu weisen, Bern dies aberaus verschiedenen Gründen abgeschlagen hat, eröffnet Schultheit Golder den Auftrag, anzuzeigen und zu er-mahnen, daß gemäß den Bünden jedes Ort dem andern seine Ungehorsamen solle helfen gehorsam machen.Heimzubringen und auf nächstein Tag darüber Antwort zu geben, da die Boten darüber ohne Vollmacht sind,l. Der schwierigen Umstände wegen wird ein anderer Tag nach Baden angesetzt auf Sonntag nach St. Jacobs-tag (30. Juli); es sollen aber die Boten sich rechtzeitig einfinden und nicht erst zwei oder drei Tage später,wie es bisher geschehen, Da die Botschaften der fremden Fürsten die Leute aufwiegeln, so wird derAntrag gestellt, dieselben aus der Eidgenossenschaft wegzuweisen, zumal sie alle Nachschlüge fast eher wissenals wir und weil man die Leute dann desto besser im Gehorsam behalten könne. Heimzubringen, t. HansKeller und die Gartmannin von Sirnach aus dem Thurgau bringen vor, sie seien der Eidgenossen Leibeigene;nun haben sie Klostergüter zu Fischingen von ihren Eltern ererbt, können aber diese Güter nicht besitzen, wennsie sich dem Kloster nicht eignen; sie haben aber nichts, woraus sie sich ernähren könnten, als eben diese Güter;sie bitten daher um die Gunst, sich von uns ledig kaufen zu dürfen. Heimzubringen. Da in den ge-meinen Vogteien das Reislaufen bei Verlust von Ehre, Leib und Gut verboten worden ist und dennoch vielein fremde Kriege ziehen, so werden die Vögte beauftragt, die Güter der weggelaufenen Knechte in Beschlagzu nehmen, damit nichts abhanden komme. Heimzubringen und auf nächstein Tag Antwort zu gebe», wieman über diese Güter verfügen wolle, i». Ab letztem Tage war heimgebracht worden, wie man den ChristophGiel bestrafen wolle, der den Befehlen der Vögte im Thurgau, betreffend Bezahlung einiger Schulden sich widersetzthat. Nun verantwortet sich dieser Giel, gesteht sein Unrecht ein und bekennt, daß er von andern Gerichtsherrenund Edclleuteu aufgewiesen worden sei. Auch der Landvogt im Thurgau weist ans einer Missive nach, daßdie Edelleute gerne frei und selber Herren sein möchten. Da hiebet bemerkt wird, daß Giel's Vater imSchwaderloch gar tapfer zu den Eidgenossen gehalten, so wird die Sache in den Abschied genommen, umauf nächstem Tag Bescheid zu bringen, wie man sich mit dem Giel und den Edelleuten halten wolle. «. Die