Name und Merkmale des Märchens.*
Schärfer als in den meisten andern Sprachen ist imDeutschen heute der Begriff des Märchens abgegrenzt,sowohl gegen den allgemeineren der Erzählung wie gegendie benachbarten der Sage, Legende, Fabel, auch desSchwankes. Zum Beweise vergleiche man im Niederlän-dischen sprookje, zeisel, vertellinge, vertelsel; westfriesischteltje, berneteltje; nordfriesisch tial, staatje; dänisch aeventyr;norwegisch söge, regle, rispe, remse', gammalt snak 2 ;schwedisch eventyr, saga; englisch tale, droll, story, legend 3 ;gälisch sgeul, fionnsgeul, ursgeul; irisch sceal; wallisischystor, chwedl; französisch conte, conte bleu, conte de fees,recit, legende; italienisch fiaba, favola, conto, racconto,
* Der folgende Aufsatz ist dem noch ungedruckten viertenBande der 'Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen derBrüder Grimm' entnommen und geht demgemäss von deutschenVerhältnissen aus. Wenn ich natürlich auch die Märchen andrerVölker zur Vergleichung heranzog, so musste ich mich doch vonvornherein auf eine Auswahl von Beispielen beschränken; ichwerde aber jeden freundlichen Hinweis auf Übersehenes dankbarentgegennehmen. Die Bezeichnung 'oben' weist auf die dreiersten Bände der Anmerkungen hin; die Titel der angeführtenBücher findet man ausführlich dort in Bd. 3, S. 560. — Berlin, imJuli 1920. J. B.
1 Asbjörnsen-Moe, Norske folke-eventyr 1852 S. XLI.
1 Aasen, Pröver 1899 S. 12.
8 L. Lenz, Märchensammlungen 1902 S. 7.