Druckschrift 
Peter Campers ... Naturgeschichte des Orang-Utang und einiger andern Affenarten, des Africanischen Nashorns und des Rennthiers : mit Kupfern
Entstehung
Seite
145
Einzelbild herunterladen
 

145Die weiblichen Geburtstheile hatten wirklich so etwas von Lippen. Sie wurden aber min-der sichtbar, als es vermagerte.In dem Männchen, wovon ich in der Sammlung des van Zoey eine Zeichnung machte,saß das männliche Glied, wie in der 11ten Figur des vierten Kupfers, mit den Hoden sehr hochoberhalb dem Hintern, wie bey den meisten Affen, damit sie wegen der Gelenkknöpfe der Sitz-beinen, die in den Thieren mehr nach vorne, als bey uns stehen, nicht darauf sitzen möchten.In dem Kupfer vom Leidener Orang hängt das ganze Glied nach unten, gewiß vomAusstopfer, herausgezogen, da es bey dem lebendigen natürlich sehr tief unter der Vorhaut ver-borgen liegt.In dem vom Büffon vorgestellten Jocko ist das männliche Glied ganz menschlich, und so-wie man es nie bey einem Affen gesehen hat.§. 9.Der Orang ließ sich anfänglich nicht gemächlich von jedem behandelen als er aberschwächer wurde, war er sanftmüthiger. Auch ließ er sich auf dem kleinen Loo von seinemAufwärter, der, unbekannt mit der Bildung des Kehlkopfs und dessen Lufttaschen, sich wun-derte, vorne am Halse, längst den Seiten aufwärts bis halbweg zu dem Brustbein etwas Auf-gedunsenes, wie Luft, zu fühlen, mit einem gewissen Vergnügen gerne streichlen.Ich untersuchte es aufmerksam, und konnte die Luft hin und her schieben, und gleichsamin zwey theilen. Der Aufwärter sahe es für eine wirkliche Krankheit an, wovon ich ihm dasGegentheil zeigte. Aus der Schwäche aber und der Traurigkeit des Thiers konnte man genugschließen, daß es nicht lange leben würde, so wie es auch im Anfange des Jänners 1777 starb.§. 10.Der wahre Orang=Utang, das ist, der Asiatische von Borneo, ist also nicht der Pi-thecus oder ungeschwänzte, von den Griechen, und vornemlich vom Galen beschriebene Affe.Er ist weder der Pongo, noch der Jocko, noch der Orang des Tulpius, noch der Pigmy desTyſon,