§. 9.Die Hirnhöhle ist im Verhältniß des Kopfs und nach der Größe des Thiers nicht groß,wie man in der 2ten Fig. des VI. Kupfers E. I. m. n. o. G. sehen kann. Sie ist nur 8 Zolltief und 6 Zoll hoch. In den ausgegrabenen, von Pallas beschriebenen Rhinocerosköpfen warendie Hirnhöhlen kleiner als in unsern, obschon sie beynahe einen halben Schuh länger waren.Doch dieser Unterschied kann von andern Umständen herrühren. Alle fossilen Köpfe sind schmä-ler, länger und weniger hoch; auch sind die Hirnhöhlen in allen vierfüßigen Thieren, derenKiefer stark hervorragen, wie bey den Kühen, Pferden u. s. w., klein. Die Kiefer scheinensich nach der Länge des Halses zu richten, damit das Thier desto gemächlicher von der Erde fres-sen kann.In dem kleinen, noch keinen Schuh langen Kopf des einhörnigten Rhinoceros, war diesHöhle doch 5 ½ Zoll tief, wie 2. 1., da sie sich in den erwachsenen, wenigstens fossilen Köpfenwie 3 zu 1 verhüllt.Aus dem allgemeinen Gesetz der Natur folgt auch, daß die Kiefer beym Zunehmen derThiere, eben so wie beym Menschen merklich mehr als die Hirnhöhle auswachsen. Unterdessenfindet man nie, daß das Gehirn bey einem einzigen Thiere mit seiner Größe im Verhältnißstehe — wohl aber die Kiefer mit dem Halse, die auch nach der eigenthümlichen Nahrung desThiers sich richten. Auch die Füße stehen mit der Stärke, Schwere und Schnelligkeit derThiere in VerhältnißWenn man die Lage des Vorderhorns B (Kupf. VI. Fig. 2.) mit dem Bewegungspunktder Gelenkknöpfe des Hinterhauptsbein E. vergleicht, so sieht man deutlich, daß der Kopf,wenn das Thier seine Macht nicht verlieren soll, nicht viel länger seyn könne; es sey denn, daßder Kopf in D. höher hinaufstieg, nämlich, daß D. E. ein längerer Hebel würde, um mitdenselbigen Nackenmuskeln mehr Gewalt äussern zu können. Wahrscheinlich ist auch dieses eineUrsache, warum das Nassorn weder Schneide= noch Eckzähne hat.Um die Unkösten dieses Werks nicht unnöthig zu vergrößern 84), habe ich den SchedelvonG 284) Man sehe dieselbe in den Act. Petrop. 1777. Part. 1. S. 193., wo ich verschiedene Bemerkungenüber die Zähne dieser Thiere hinzugefügt habe — wie auch m. kl. Schrift. 4. Band.
Druckschrift
Peter Campers ... Naturgeschichte des Orang-Utang und einiger andern Affenarten, des Africanischen Nashorns und des Rennthiers : mit Kupfern
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Seite
51
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